Nintendo Selects und Player’s Choice: Warum Nintendo seine größten Klassiker günstiger verkaufte

Ratgeber

Ein goldener Schriftzug auf dem Cover, ein deutlich niedrigerer Preis und ein Spiel, das sich bereits bewährt hatte: Wer in den 1990er- und 2000er-Jahren vor dem Nintendo-Regal stand, kennt die „Player’s Choice“-Ausgaben. Später übernahm „Nintendo Selects“ diese Aufgabe. Doch hinter den vermeintlich einfachen Sparversionen steckt ein interessantes Stück Nintendo-Geschichte. Die Reihen verraten, wie das Unternehmen mit seinen Bestsellern umging, warum erfolgreiche Spiele ein zweites Leben im Handel bekamen und weshalb die auffälligen Verpackungen heute selbst zum Sammelgebiet geworden sind.


1996: Die Geburt von Player’s Choice

Der Anfang lässt sich ungewöhnlich genau datieren: Am 16. Mai 1996 kündigte Nintendo of America seine neue Player’s Choice Series für das Super Nintendo Entertainment System an. Der erste Titel war Super Mario Kart, dessen Neuauflage am 20. Mai 1996 erscheinen sollte. Empfohlener Verkaufspreis: 34,95 US-Dollar. Als weitere Spiele nannte Nintendo bereits The Legend of Zelda: A Link to the Past, Tetris & Dr. Mario, Super Mario All-Stars und SimCity. Auf den Verpackungen sollten goldene Siegel den besonderen Status der Spiele kenntlich machen. Das Entscheidende: Nintendo versprach ausdrücklich, dass die Spiele inhaltlich mit ihren ursprünglichen Fassungen identisch bleiben würden. Es handelte sich also weder um Remakes noch um technisch verbesserte Editionen, sondern um günstigere Neuauflagen bereits veröffentlichter Spiele.

Dazu passt die damalige Begründung des Nintendo-Managers Peter Main. Ausgewählt wurden Spiele, die bei ihrer ursprünglichen Veröffentlichung besonders erfolgreich gewesen waren und Spitzenplätze in den Verkaufscharts erreicht hatten. Häufig wird rückblickend eine Grenze von einer Million verkauften Exemplaren als Voraussetzung für Player’s Choice genannt. Sie beschreibt die ursprüngliche Grundidee, sollte aber nicht mit einer verbindlichen Regel für sämtliche Konsolen, Jahre und Verkaufsregionen verwechselt werden. Bereits die erste Pressemitteilung betonte vor allem die früheren Top-10-Platzierungen der ausgewählten Spiele. Im Laufe der Jahre änderten sich die Anforderungen, während das grundlegende Prinzip erhalten blieb: Erfolgreiche Spiele sollten zu einem günstigeren Preis erneut Käufer finden.

Auch die Bezeichnung war nicht überall gleich. Während Nintendo in Nordamerika das gelb-goldene Player’s-Choice-Logo verwendete, gab es in Europa beim Super Nintendo und Game Boy teilweise Namen wie Nintendo Classics oder Classic Series. Erst bei späteren Konsolengenerationen setzte sich die Bezeichnung „Player’s Choice“ auch in europäischen Märkten stärker durch. Wer heute alte Spieleverpackungen vergleicht, kann deshalb zwei offizielle Ausgaben desselben Titels finden, die auf den ersten Blick wie völlig unterschiedliche Sondereditionen aussehen.

Warum erfand Nintendo überhaupt eine Budget-Reihe?

Mitte der 1990er-Jahre näherte sich die Super-Nintendo-Generation allmählich ihrem Ende. Für Nintendo entstand damit eine doppelte Herausforderung: Einerseits sollten weiterhin neue Käufer für die etablierte Konsole gewonnen werden, andererseits waren viele Spieler nicht mehr bereit, für ein mehrere Jahre altes Spiel denselben hohen Preis wie zum ursprünglichen Verkaufsstart auszugeben. Die Lösung bestand darin, bewährte Klassiker als preislich attraktivere und klar erkennbare Produktlinie zurückzubringen. Ein älteres Spielmodul wurde dadurch im Kaufhaus wieder zu einer interessanten Alternative, ohne dass Nintendo dafür ein völlig neues Spiel entwickeln musste.

Das Konzept erfüllte gleich mehrere wirtschaftliche Aufgaben. Es machte bekannte Spiele für preisbewusste Familien zugänglicher, half dem Einzelhandel dabei, erfolgreiche Titel weiterhin anzubieten, und verlängerte die wirtschaftliche Lebensdauer der Spielebibliothek einer Konsole. Außerdem verlieh das Player’s-Choice-Siegel den Verpackungen eine Art Qualitätsempfehlung. Wer das besondere Logo entdeckte, wusste sofort, dass es sich um ein Spiel handelte, das bereits zahlreiche Käufer überzeugt hatte. Gerade bei Kindern und Eltern, die nicht regelmäßig Spielezeitschriften lasen, konnte eine solche Kennzeichnung eine wichtige Orientierungshilfe sein.

Für Nintendo bot die Strategie noch einen weiteren Vorteil. Die Entwicklung eines Videospiels verursacht hohe Kosten, während eine spätere Neuauflage bereits vorhandener Software vergleichsweise wenig zusätzlichen Entwicklungsaufwand benötigt. Durch eine neue Verpackung und einen niedrigeren Preis ließ sich ein bestehendes Produkt erneut vermarkten. Besonders gegen Ende einer Konsolengeneration war das sinnvoll: Wenn der Nachfolger bereits angekündigt oder erhältlich war, konnten die verbleibenden Käufer mit günstiger Hardware und einer attraktiven Auswahl bekannter Spiele angesprochen werden. Nintendo hat diese wirtschaftlichen Beweggründe allerdings nicht in einem umfassenden öffentlichen Strategiepapier dokumentiert. Sie lassen sich vor allem aus der damaligen Produktpolitik und den Veröffentlichungszeitpunkten ableiten.

Nintendo war mit diesem Ansatz nicht allein. Sony etablierte für die PlayStation seine Greatest Hits-Reihe, Microsoft folgte später mit den Platinum Hits für die Xbox. Solche Budget-Veröffentlichungen gehörten über viele Jahre zum Konsolenmarkt. Nintendo setzte dabei allerdings weiterhin stark auf die langfristige Vermarktung seiner wichtigsten Marken. Statt sämtliche älteren Spiele automatisch günstiger anzubieten, wurden ausgewählte Titel in eine separate Produktlinie aufgenommen. So konnte das Unternehmen zusätzliche Käufer gewinnen, ohne die regulären Preise seiner übrigen Spiele gleichermaßen senken zu müssen.

Von Super Mario World bis Super Smash Bros.: Player’s Choice auf den Nintendo-Konsolen

Auf dem Super Nintendo erhielten im Laufe der Zeit zahlreiche Mario- und Donkey-Kong-Spiele eine zweite Handelsrunde. Zu den dokumentierten Titeln zählen Super Mario World, Super Mario All-Stars, Super Mario Kart, Donkey Kong Country, Donkey Kong Country 2, Donkey Kong Country 3, Mario Paint sowie Tetris & Dr. Mario. Außerhalb des Mario-Universums profitierten unter anderem Zelda-Klassiker von günstigeren Neuauflagen. Die genaue Auswahl und die Gestaltung der Verpackungen unterschieden sich allerdings zwischen Europa, Nordamerika und anderen Märkten. Insbesondere die deutschen Klassiker-Ausgaben des Super Nintendo sollte man deshalb nicht grundsätzlich mit den amerikanischen Player’s-Choice-Verpackungen gleichsetzen.

Auch der Game Boy erhielt günstigere Klassiker-Ausgaben. Zu den Mario-verwandten Spielen gehörten Super Mario Land, Super Mario Land 2: 6 Golden Coins, Wario Land: Super Mario Land 3, Donkey Kong, Donkey Kong Land, Donkey Kong Land 2 und Dr. Mario. Bei diesen Titeln war der praktische Nutzen für Käufer besonders groß. Wer erst spät einen Game Boy oder Game Boy Pocket kaufte, konnte sich damit eine Spielebibliothek aufbauen, deren wichtigste Vertreter bereits Jahre zuvor erschienen waren. Dass sich Nintendo-Klassiker selbst nach längerer Zeit gut spielen ließen, war schließlich einer der größten Vorteile der hauseigenen Marken.

Mit dem Nintendo 64 setzte Nintendo das Prinzip fort. Zu den bekannten Player’s-Choice-Veröffentlichungen zählen Super Mario 64, Mario Kart 64, Mario Party, Super Smash Bros., Yoshi’s Story, Diddy Kong Racing und Donkey Kong 64. Die veränderten Verpackungen sind vor allem Sammlern vertraut: Bei nordamerikanischen Exemplaren fällt häufig die gelb hervorgehobene Nintendo-64-Logofläche auf, während europäische Ausgaben teilweise andere Gestaltungen verwendeten. Auch hier galt, dass nicht jede für Nordamerika belegte Player’s-Choice-Ausgabe automatisch im deutschsprachigen Handel erhältlich war. Wer sich heute noch einmal an die Anfänge der dreidimensionalen Mario-Abenteuer wagen möchte, findet in unserer Super Mario 64 Komplettlösung die Fundorte aller 120 Power-Sterne.

Besonders umfangreich wurde die Reihe auf dem Nintendo GameCube. Anfang 2003 führte Nintendo Player’s Choice auch für seinen lilafarbenen Würfel ein. Die ersten drei Spiele waren Luigi’s Mansion, Pikmin und Super Smash Bros. Melee. In Europa kündigte Nintendo die Veröffentlichung für den 4. April 2003 zu einem ungefähren Verkaufspreis von 30 Euro an. In den USA lagen die frühen Preise bei rund 29,95 bis 29,99 Dollar. Im September 2003 folgten weitere Preisstufen: Metroid Prime, Animal Crossing und Super Mario Sunshine wurden dort für 29,99 Dollar angeboten, während Luigi’s Mansion, Pikmin und Star Fox Adventures auf 19,99 Dollar sanken.

Später kamen unter anderem Mario Golf: Toadstool Tour, Paper Mario: Die Legende vom Äonentor, Mario Smash Football und Wario World hinzu. Besonders für Spieler, die den GameCube erst einige Jahre nach seiner Veröffentlichung kauften, wurden die günstigeren Ausgaben attraktiv. Schließlich bot die Konsole zu diesem Zeitpunkt bereits eine große Auswahl hervorragender Spiele. Wer etwa beim ursprünglichen Verkaufsstart von Luigi’s Mansion noch nicht zugegriffen hatte, konnte das Geisterabenteuer später für einen deutlich geringeren Betrag nachholen. Gleiches galt für zahlreiche weitere Nintendo-Titel, die heute zu den bekanntesten Spielen des GameCube zählen.

Gerade beim GameCube zeigt sich übrigens, warum vereinfachte Aussagen über eine feste Millionengrenze problematisch sind. In einer zeitgenössischen Mitteilung zu Mortal Kombat: Deadly Alliance wurden bereits 250.000 verkaufte GameCube-Exemplare als ausreichend für eine Aufnahme in Player’s Choice genannt. Die Kriterien waren im Laufe der Jahre und je nach Markt also deutlich flexibler geworden. Entscheidend war längst nicht mehr ausschließlich, ob ein Spiel die ganz großen Verkaufsrekorde gebrochen hatte.

Weniger bekannt ist die Game-Boy-Advance-Ausgabe. Nintendo startete die entsprechende nordamerikanische Player’s-Choice-Reihe am 29. März 2006 mit Super Mario Advance, Yoshi’s Island: Super Mario Advance 3 und Mario & Luigi: Superstar Saga. Alle drei Spiele kosteten jeweils 19,99 Dollar. Weitere dokumentierte Mario-Spiele mit entsprechender Kennzeichnung sind Mario Kart: Super Circuit und Super Mario World: Super Mario Advance 2. Dagegen sollte man den Nintendo DS nicht automatisch in diese Aufzählung einreihen: Er erhielt im Westen keine mit GameCube und Game Boy Advance vergleichbare, etablierte Player’s-Choice-Produktlinie.


2011: Nintendo Selects löst Player’s Choice ab

Als sich die Wii ihrem fünften Geburtstag näherte, entschied sich Nintendo für einen neuen Namen und ein vollständig überarbeitetes Erscheinungsbild. Nintendo Selects startete in Nordamerika am 15. Mai 2011 und in Europa am 20. Mai 2011. In den USA lag der empfohlene Verkaufspreis bei 19,99 Dollar. In Deutschland stellte Nintendo günstigere Spiele in Aussicht, während die endgültigen Verkaufspreise vom Handel bestimmt wurden. Parallel erschien ein neues Wii-Paket mit Mario Kart Wii und Wii Wheel. In Nordamerika kostete die Konsole in dieser Zusammenstellung nur noch 149,99 Dollar. Damit machte Nintendo den Einstieg in seine Bewegungssteuerungskonsole noch einmal deutlich attraktiver.

Die vier deutschen Startspiele waren Wii Sports, WarioWare: Smooth Moves, Mario Strikers Charged Football und Animal Crossing: Let’s Go to the City. In Nordamerika standen dagegen Wii Sports, The Legend of Zelda: Twilight Princess, Mario Super Sluggers und Animal Crossing: City Folk zum Start bereit. Besonders interessant war dabei Wii Sports: Das Spiel war in vielen Regionen eng mit der ursprünglichen Wii-Konsole verbunden und wurde durch die günstigere Neuauflage für zusätzliche Käufer als eigenständiger Titel leichter zugänglich. Schon diese erste Welle zeigt, dass eine weltweite Liste sämtlicher Nintendo-Selects-Veröffentlichungen ohne regionale Unterscheidung kaum sinnvoll wäre.

Anders als bei Player’s Choice war die neue Verpackungsgestaltung deutlich auffälliger. Rote Rahmen, goldene Akzente und ein kronenartiges Emblem prägten die Wii-Cover. Die rot umrandeten Spielehüllen ließen sich im Regal sofort erkennen und machten deutlich, dass es sich nicht um die ursprünglichen Veröffentlichungen handelte. Im selben Jahr erweiterte Nintendo das deutsche Angebot unter anderem um Super Mario Galaxy und The Legend of Zelda: Twilight Princess. Später folgten weitere große Wii-Namen, darunter einige der meistverkauften Spiele der gesamten Konsolengeneration.

Welche Nintendo-Selects-Spiele gab es in Deutschland für Wii?

Im Laufe der Jahre wuchs das deutsche Angebot auf 18 Spiele an. Die nachfolgende Zusammenstellung berücksichtigt die Titel, die Nintendo in seiner deutschen Selects-Übersicht aufführte. Zusätzliche Veröffentlichungen aus Nordamerika oder Japan sind darin nicht enthalten.

Mario, Donkey Kong und weitere Nintendo-Abenteuer: New Super Mario Bros. Wii, Super Mario Galaxy, Super Mario Galaxy 2, Super Paper Mario, Mario Kart Wii, Mario Party 8, Mario Party 9, Mario Power Tennis (Wii-Version aus der New-Play-Control!-Reihe), Mario Strikers Charged Football, Donkey Kong Country Returns, Super Smash Bros. Brawl, WarioWare: Smooth Moves und The Legend of Zelda: Twilight Princess.

Familien-, Party- und weitere Spiele: Wii Sports, Wii Sports Resort, Wii Party, Animal Crossing: Let’s Go to the City und PokéPark Wii: Pikachus großes Abenteuer.

Die Auswahl verdeutlicht, wie breit Nintendo seine Budget-Reihe aufgestellt hatte. Neben klassischen Jump ’n’ Runs und Action-Adventures fanden sich Rennspiele, Sporttitel und familienfreundliche Gesellschaftsspiele. Dabei waren längst nicht alle Veröffentlichungen bereits zehn oder mehr Jahre alt. Manche Spiele wurden nur wenige Jahre nach ihrem ursprünglichen Verkaufsstart als Nintendo Selects angeboten. Mario Super Sluggers war hingegen ein Beispiel für eine nordamerikanische Selects-Veröffentlichung, die nicht zur deutschen Auswahl gehörte.

Die Reihe wurde über mehrere Jahre erweitert. 2013 ergänzte Nintendo in Europa unter anderem Mario Kart Wii, Super Smash Bros. Brawl, Donkey Kong Country Returns und PokéPark Wii. Im Juni 2014 folgten New Super Mario Bros. Wii, Super Mario Galaxy 2, Mario Party 9 und Wii Party. Allein diese vier Spiele hatten sich nach damaligen Angaben von Nintendo zuvor insgesamt 16,4 Millionen Mal in Europa verkauft. Ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass Nintendo mit der Reihe keine unbekannten Restposten verkaufen wollte, sondern gezielt auf seine erfolgreichsten Spiele setzte.

Wer die großen Wii-Klassiker heute nachholen möchte, findet bei Mariofans.de die passenden Hilfen. Unsere umfangreiche Komplettlösung zu Super Mario Galaxy führt durch sämtliche Galaxien und hilft bei der Suche nach den Power-Sternen. Auch für Super Mario Galaxy 2, New Super Mario Bros. Wii und Donkey Kong Country Returns stehen ausführliche Komplettlösungen bereit, mit denen sich die Spiele vollständig meistern lassen.


Wii U: Die Budget-Reihe brachte unterschätzte Spiele erneut ins Rampenlicht

Auf der Wii U gewann der Gedanke hinter Nintendo Selects eine zusätzliche Bedeutung. Die Konsole hatte im Vergleich zur Wii eine wesentlich kleinere Nutzerbasis, verfügte gleichzeitig aber über mehrere Spiele, die von Kritikern und Fans besonders geschätzt wurden. Günstigere Neuauflagen boten später eingestiegenen Spielern die Möglichkeit, diese Titel noch kennenzulernen. Am 15. April 2016 erschienen in Europa sechs entsprechende Angebote: New Super Mario Bros. U + New Super Luigi U, Donkey Kong Country: Tropical Freeze, Nintendo Land, Wii Party U, The Legend of Zelda: The Wind Waker HD und LEGO City Undercover.

Nintendo nannte für die digitalen Ausgaben einen Preis von 24,99 Euro pro Titel und teilte mit, dass die sechs ursprünglichen Spiele zusammen zuvor in Europa mehr als vier Millionen Exemplare verkauft hatten. Besonders interessant war die Zusammenstellung von New Super Mario Bros. U und New Super Luigi U. Während das Hauptspiel bereits seit der Markteinführung der Wii U erhältlich war, hatte Nintendo mit New Super Luigi U ursprünglich ein zusätzliches Abenteuer veröffentlicht. Die Selects-Ausgabe vereinte beide Spiele in einem Paket und machte den Umfang der Veröffentlichung entsprechend attraktiv.

Am 30. September 2016 folgten Super Mario 3D World, Mario Party 10, Pikmin 3 und Captain Toad: Treasure Tracker. Daneben starteten zwei besondere Handelsveröffentlichungen unter dem Namen Nintendo eShop Selects: FAST Racing NEO und die SteamWorld Collection mit SteamWorld Dig und SteamWorld Heist. Diese beiden Spielepakete gehörten zu einer verwandten Unterreihe, die unabhängig entwickelte eShop-Titel auch als Handelsversion zugänglich machte. Damit umfasst Nintendos deutsche Wii-U-Übersicht zehn reguläre Selects-Angebote und zwei eShop-Selects-Veröffentlichungen.

Für Sammler lohnt es sich übrigens, auch den genauen Verpackungsinhalt zu überprüfen. Nintendo wies bei bestimmten Wii-U-Selects-Ausgaben ausdrücklich darauf hin, dass der ursprünglich beigepackte Wii-U-GamePad-Horizontalaufsteller nicht mehr enthalten war. Die Software bot zwar denselben grundlegenden Spielinhalt, das gesamte Verkaufspaket musste aber nicht vollständig mit der ursprünglichen Veröffentlichung übereinstimmen. Wer heute seine Wii-U-Sammlung vervollständigen möchte, sollte deshalb neben der Verpackung auch mögliche Anleitungen und Beilagen vergleichen.

Zu den bekanntesten Spielen der Reihe gehört zweifellos Super Mario 3D World. Das gemeinsam spielbare Abenteuer mit Mario, Luigi, Peach und Toad zählt zu den wichtigsten Jump ’n’ Runs der Wii U. Wer noch einmal sämtliche Welten erkunden möchte, findet in unserer Super Mario 3D World Komplettlösung die Fundorte aller grünen Sterne und Stempel sowie ausführliche Hilfen zu den einzelnen Leveln.

Nintendo 3DS: Eine zweite Chance für tragbare Klassiker

Auf dem Nintendo 3DS startete Nintendo Selects in Europa erst am 16. Oktober 2015. Die erste Welle bestand aus The Legend of Zelda: A Link Between Worlds, Star Fox 64 3D, nintendogs + cats in drei verschiedenen Startvarianten, Mario Tennis Open, Yoshi’s New Island und Mario Party: Island Tour. Nintendo sprach von insgesamt mehr als 3,8 Millionen zuvor in Europa verkauften Exemplaren dieser sechs Spiele beziehungsweise Spielreihen. Die digitalen Preise wurden auf 19,99 Euro gesenkt. Damit erreichte die Idee einer dauerhaft günstigeren Neuauflage auch Nintendos tragbaren 3D-Handheld.

Am 24. Juni 2016 kamen LEGO City Undercover: The Chase Begins, The Legend of Zelda: Ocarina of Time 3D, Mario & Luigi: Dream Team Bros., Paper Mario: Sticker Star und Nintendo presents: New Style Boutique hinzu. Gerade die beiden Mario-Rollenspiele waren interessante Kandidaten für eine günstigere Zweitveröffentlichung. Sie boten umfangreiche Abenteuer mit vielen Spielstunden, die dadurch auch für Käufer attraktiv wurden, die bisher vor dem höheren Preis zurückgeschreckt waren. Wer sich insbesondere das Abenteuer auf La Dormita noch einmal vornehmen möchte, findet auf Mariofans.de die vollständige Mario & Luigi: Dream Team Bros. Komplettlösung.

Im Oktober 2017 folgten Super Mario 3D Land, Luigi’s Mansion 2 und Kirby: Triple Deluxe. Im Juni 2018 ergänzten schließlich Super Mario Maker for Nintendo 3DS, Donkey Kong Country Returns 3D und Animal Crossing: New Leaf – Welcome amiibo das Angebot. Somit wuchs die deutsche Auswahl auf 17 eigenständige Spiele beziehungsweise Spielreihen, wobei nintendogs + cats in drei verschiedenen Verpackungsvarianten erschien. Damit gehörte der Nintendo 3DS zu den Plattformen mit einer besonders umfangreichen Nintendo-Selects-Auswahl.

In Nordamerika kamen manche Spiele zu anderen Zeitpunkten oder zusätzlich hinzu. Dort wurde beispielsweise The Legend of Zelda: Majora’s Mask 3D erst am 4. Februar 2019 Teil der Selects-Reihe, zusammen mit Super Mario Maker for Nintendo 3DS und Star Fox 64 3D. Wer heute weltweit jede Nintendo-Selects-Verpackung sammeln möchte, muss deshalb zwischen Konsole, Verkaufsregion und genauer Auflage unterscheiden. Ein Spiel kann in Deutschland als reguläre Ausgabe erhältlich gewesen sein, während die entsprechende Selects-Verpackung ausschließlich in Nordamerika verkauft wurde.


Sonderfall Japan: Hier durften sogar die Spieler über Budget-Spiele mitentscheiden

Nintendo verwendete in Japan nicht durchgehend dieselben Markenbezeichnungen wie im Westen. Bereits 2010 erschien für Wii die Reihe Minna no Osusume Selection, sinngemäß „Jedermanns Empfehlungen“. Besonders ungewöhnlich war das Auswahlverfahren: Statt ausschließlich auf bekannte Bestseller zurückzugreifen, berücksichtigte Nintendo Spiele, die von Nutzern im japanischen Nintendo-Kanal besonders gut bewertet worden waren. Zu den sieben Startspielen gehörten unter anderem 428: Shibuya Scramble, Muramasa: The Demon Blade, Arc Rise Fantasia und Tales of Symphonia: Dawn of the New World.

Damit unterschied sich die japanische Auswahl deutlich von den klassischen Player’s-Choice-Veröffentlichungen. Während in Europa und Nordamerika meist bekannte Nintendo-Marken und kommerziell erfolgreiche Titel im Mittelpunkt standen, rückten in Japan auch Spiele von Drittanbietern in den Vordergrund, die bei ihren Käufern besonders beliebt waren. Die Reihe war damit nicht nur eine günstigere Neuveröffentlichung, sondern zugleich eine Empfehlung der Spielergemeinschaft. Gerade weniger bekannten Titeln bot sich dadurch eine neue Gelegenheit, ein größeres Publikum zu erreichen.

Für den Nintendo 3DS führte Nintendo in Japan im März 2016 außerdem die Happy Price Selection ein. Zu den Spielen gehörten unter anderem Animal Crossing: New Leaf, Tomodachi Life, Luigi’s Mansion 2 sowie mehrere Varianten von nintendogs + cats. Später kamen beispielsweise The Legend of Zelda: Ocarina of Time 3D, Mario Tennis Open und Donkey Kong Country Returns 3D hinzu. Im September 2016 berichtete Nintendo Japan bereits von 15 Titeln in dieser Auswahl. Der japanische Sonderweg zeigt, dass die Grundidee weltweit ähnlich war, Nintendo bei Namen, Preisgestaltung und Spielauswahl jedoch bewusst regionale Unterschiede machte.

Sind Player’s-Choice- und Nintendo-Selects-Versionen heute weniger wert?

Zum Spielen sind die günstigeren Auflagen grundsätzlich keine schlechteren Versionen. Eine Player’s-Choice-Ausgabe von Super Mario Sunshine bleibt dasselbe Abenteuer mit Mario auf Isla Delfino, und die Selects-Ausgabe von Super Mario Galaxy 2 bietet keine verkürzte oder inhaltlich abgespeckte Variante des Originals. Allerdings sollte man zwischen dem eigentlichen Spielinhalt, möglichen späteren Software-Revisionen und dem restlichen Verpackungsinhalt unterscheiden. Nicht immer entsprechen sämtliche Beilagen oder die Gestaltung des Datenträgers der ursprünglichen Veröffentlichung.

Gerade Sammler achten deshalb auf kleine Unterschiede. Ein gelber GameCube-Balken, ein roter Wii-Rahmen, die Gestaltung eines Nintendo-64-Covers oder ein vollständig erhaltenes Booklet können entscheidend dafür sein, wie eine bestimmte Ausgabe eingeordnet wird. Auch regionale Besonderheiten spielen eine Rolle. Eine amerikanische Player’s-Choice-Verpackung kann sich deutlich von der europäischen Version desselben Spiels unterscheiden. Hinzu kommen möglicherweise abweichende Sprachfassungen, Regionalcodes oder geringfügige Änderungen an der verwendeten Softwareversion.

Welche Version ist seltener oder teurer? Dafür gibt es keine allgemeingültige Regel. Bei manchen Spielen interessieren sich Sammler besonders für die ursprüngliche Erstauflage, während spätere Budget-Versionen weniger gefragt sind. Bei anderen Titeln können seltene regionale Player’s-Choice- oder Nintendo-Selects-Varianten selbst zu begehrten Sammlerstücken werden. Der damals günstigere Verkaufspreis ist deshalb kein zuverlässiger Maßstab für den heutigen Sammlerwert. Wer seine Sammlung vervollständigen möchte, sollte immer die genaue Ausgabe, die Verkaufsregion, den Erhaltungszustand und die Vollständigkeit der Verpackung berücksichtigen.

Für Spieler, die einfach nur einen Klassiker erleben möchten, können die günstigeren Ausgaben dagegen eine hervorragende Wahl sein. Schließlich steckt hinter dem besonderen Cover in den meisten Fällen dasselbe Abenteuer, das ursprünglich zum Vollpreis veröffentlicht wurde. Ob Mario nun auf einer regulären GameCube-Disc oder einer Player’s-Choice-Ausgabe durch Isla Delfino läuft, macht für den eigentlichen Spielspaß keinen Unterschied.

Warum gibt es keine Nintendo Selects für Switch?

Gerade weil sich die Budget-Reihen über Jahrzehnte gehalten haben, fällt ihre Abwesenheit auf der Nintendo Switch umso stärker auf. Bis Oktober 2026 hat Nintendo keine mit den früheren Player’s-Choice- oder Nintendo-Selects-Ausgaben vergleichbare, breit eingeführte Switch-Budgetreihe bekannt gemacht. Dabei wäre die Auswahl potenzieller Kandidaten groß: Mario Kart 8 Deluxe, Super Mario Odyssey, Super Smash Bros. Ultimate, Luigi’s Mansion 3 und viele andere Nintendo-Spiele haben sich über Jahre hinweg erfolgreich verkauft und würden grundsätzlich in das historische Konzept passen.

Warum verzichtet Nintendo also auf eine solche Reihe? Eine mögliche Erklärung liegt in der ungewöhnlich langen wirtschaftlichen Lebensdauer erfolgreicher Switch-Spiele. Während andere Hersteller den Preis ihrer älteren Titel häufig deutlich reduzieren, bleiben viele Nintendo-Produktionen noch Jahre nach ihrer Veröffentlichung regulär im Handel. Wenn sich ein Spiel weiterhin zu einem vergleichsweise hohen Preis gut verkauft, besteht aus wirtschaftlicher Sicht weniger Druck, eine dauerhaft günstigere Neuauflage einzuführen. Das ist allerdings eine plausible Erklärung für Nintendos Produktpolitik und keine offiziell bestätigte Begründung des Unternehmens.

Hinzu kommt, dass sich der Vertrieb von Videospielen verändert hat. Während Player’s Choice ursprünglich vor allem im stationären Einzelhandel sichtbar war, sind digitale Angebote heute ein fester Bestandteil des Konsolenmarktes. Auf der Nintendo Switch gibt es immer wieder zeitlich begrenzte Rabattaktionen und reduzierte Download-Spiele. Solche Angebote erfüllen teilweise denselben Zweck wie die alten Budget-Reihen, unterscheiden sich aber in einem wichtigen Punkt: Ein Sonderangebot im Nintendo eShop ist keine dauerhaft ausgezeichnete Neuauflage mit eigener Verpackung und festem Platz im Sortiment.

Auch die Schließung der Kaufmöglichkeit im Wii-U- und Nintendo-3DS-eShop am 27. März 2023 verdeutlicht den Unterschied zwischen physischen und digitalen Veröffentlichungen. Während gebrauchte Nintendo-Selects-Ausgaben weiterhin gekauft und verkauft werden können, sind neue Käufe der damaligen digitalen Wii-U- und 3DS-Versionen nicht mehr möglich. Bereits erworbene Spiele können nach Nintendos Angaben weiterhin erneut heruntergeladen werden. Die alten Verpackungsvarianten sind damit nicht nur Erinnerungen an eine frühere Preisstrategie, sondern zugleich Zeugnisse einer Zeit, in der Videospiele überwiegend als physische Produkte verkauft wurden.


Fazit: Mehr als nur ein rotes oder goldenes Cover

Player’s Choice und Nintendo Selects waren für Nintendo deutlich mehr als einfache Preisschilder. Sie machten erfolgreiche Spiele für neue Käufer erschwinglich, hielten wichtige Klassiker über Jahre im Handel und zeigten zugleich, welche Veröffentlichungen die jeweiligen Konsolengenerationen besonders geprägt hatten. Die Geschichte begann 1996 mit Super Mario Kart für 34,95 Dollar, führte über die gelben GameCube-Verpackungen zu den roten Wii-Hüllen und setzte sich schließlich auf Wii U und Nintendo 3DS fort.

Für viele Spieler waren die günstigeren Neuauflagen der erste Kontakt mit einem Nintendo-Klassiker. Andere nutzten die Gelegenheit, ein lange gewünschtes Spiel endlich nachzuholen. Und wer heute eine alte Player’s-Choice-Verpackung in seiner Sammlung entdeckt, hält damit nicht nur eine preiswertere Ausgabe in den Händen, sondern auch ein kleines Stück Nintendo-Geschichte.

Vielleicht liegt genau darin die Besonderheit dieser Reihen: Das goldene oder rote Siegel bedeutete nicht, dass ein Spiel alt geworden war. Es zeigte vielmehr, dass es sich gelohnt hatte, noch einmal entdeckt zu werden.

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