Nach über zehn Jahren ohne echten neuen Hauptteil der Rennserie ist Mario Kart World endlich da – und zwar exklusiv für die neue Nintendo Switch 2. Nintendo setzt mit dem neunten Teil der Kultreihe auf eine frische, offene Spielwelt, die es so bei Mario Kart bisher noch nicht gab. Doch was bringt dieser Schritt wirklich? Ist Mario Kart World ein innovativer Meilenstein, der die Serie in eine neue Ära führt, oder bleiben die Neuerungen vor allem optische Spielereien? Und wie schlägt sich der Online-Modus in Zeiten von immer komplexeren Multiplayer-Spielen? In unserem ausführlichen Test klären wir das.
Gameplay – Bewährtes Rennfeeling mit neuen Freiheiten
Der Kern von Mario Kart World bleibt dem altbewährten Mario Kart-Erlebnis treu: rasante Rennen, spannende Items und eine liebevoll gestaltete Charakterauswahl. Doch diesmal spielt sich alles in einer durchgehenden, offenen Welt ab. Das bedeutet, dass Spieler nahtlos zwischen unterschiedlichen Rennstrecken und Arealen wechseln können, ohne Ladepausen. Dieses Konzept ist für eine Rennserie ungewöhnlich, da Mario Kart bisher strikt auf einzelnen Rennstrecken mit klaren Start- und Zielpunkten basierte.
Diese offene Struktur lädt zum Erkunden ein – allerdings ist der tatsächliche Nutzen für den Spielfluss fraglich. Die offene Welt ist zwar optisch hübsch gestaltet, bietet spielerisch jedoch nur wenig Mehrwert. Die klassischen Rennen bleiben weitgehend so, wie man sie kennt: Es gilt, mehrere Runden auf einer Strecke zu drehen, Items geschickt einzusetzen und als Erster die Ziellinie zu überqueren. Hier spürt man das vertraute Mario Kart-Feeling mit seinen dynamischen Wettrennen, das Fans seit Jahrzehnten begeistert.
Der klassische Rennmodus besticht durch seine vertraute Struktur: festgelegte Runden, eine klar umrissene Strecke und bis zu 24 Fahrer. Die Strecken sind abwechslungsreich gestaltet und bieten neben neuen Kursen auch einige altbekannte Klassiker, die durch die offene Welt fließend ineinander übergehen. Dieses Setting sorgt für spannende, teils chaotische Rennen, bei denen jeder den Einsatz seiner Items genau timen muss. Allerdings kann die erhöhte Anzahl an Fahrern und das offene Streckendesign gelegentlich zu einem unübersichtlichen Durcheinander führen – ein zweischneidiges Schwert, das Fans des Chaosspaßes begeistert, Rennpuristen aber auch frustrieren kann.
So gibt es Abschnitte, die riesig wirken, damit alle 24 Fahrer genug oder sogar mehr als genug Platz haben. An Engstellen hingegen quetscht sich das Fahrerfeld durch enge Passagen. Zudem kann das Item-Chaos frustrierend ausfallen: Ein Treffer reicht manchmal aus, um gleich zehn Plätze zu verlieren. Die Rennen verlaufen dabei oft streckenübergreifend, wobei der erste Teil häufig eher ein Hinfahren zum nächsten Streckenabschnitt ist – was zeitweise etwas öde wirkt. Rundkurse im klassischen Sinne treten dagegen vergleichsweise selten auf.
Im Gegensatz dazu steht das neue Knock-Out-Rennen, das Mario Kart World eine ganz andere Dynamik verleiht. Hier geht es darum, in einem Rennen mit mehreren Spielern nicht Letzter zu werden – wer zu langsam ist, scheidet nach jeder Runde aus. Dieses Format erzeugt hohen Druck und verlangt eine andere taktische Herangehensweise, da man nicht nur den Sieg, sondern vor allem den Verbleib im Rennen sichern muss. Die offene Welt erlaubt es, Gegnern auf der Map auszuweichen oder strategische Positionen einzunehmen – was das klassische Rennen um eine spannende neue Facette erweitert. Durch die zunehmende Verknappung der Fahrer gewinnt der Knock-Out-Modus an Dynamik und Spannung, die sowohl erfrischend als auch hektisch wirken kann.
Mario Kart World bietet insgesamt eine Mischung aus 30 klassischen und brandneuen Strecken, die fließend in der offenen Welt ineinander übergehen. Von tropischen Stränden über dichte Wälder bis hin zu verschneiten Gipfeln ist für jeden Geschmack etwas dabei. Die liebevolle Gestaltung und viele kleine Details laden zum Erkunden ein. Einige Abschnitte überraschen mit cleveren Abkürzungen und interaktiven Elementen, etwa durch Kletterpassagen oder wechselnde Wettereffekte.
Allerdings wirkt die Einbindung der Strecken in die offene Welt nicht immer ganz rund. Da sich die Rennstrecken nicht mehr strikt voneinander abgrenzen, geht ein Teil des klaren Renn-Flows verloren. Einige Abschnitte fühlen sich durch die größere Anzahl an Fahrern und die freiere Bewegung deutlich chaotischer an als in früheren Teilen.
Klassiker wie „Toads Fabrik“ und die „Regenbogen-Strecke“ wurden neu interpretiert und profitieren von der Open-World-Technik, ohne dabei ihren nostalgischen Charme zu verlieren.
Mario Kart World bringt eine große und abwechslungsreiche Fahrer-Auswahl mit – von den altbekannten Helden wie Mario, Luigi, Peach oder Bowser bis hin zu überraschenden Neuzugängen wie NPC-Fahrern. So rast man etwa plötzlich als Kuh, Pinguin oder Biene über die Strecke – wie cool ist das denn?
Ein besonderes Feature sind die Outfits, die an das System aus Mario Kart Tour erinnern. Während der Rennen findet ihr sogenannte Turbo-Snacks – von Donuts über Burger bis hin zu Sushi –, die euch nicht nur einen Boost verpassen, sondern eure Charaktere optisch verändern. Während Hauptfiguren wie Mario so in unterschiedliche Kostüme schlüpfen, bleiben die NPC-Fahrer optisch starr und unverändert. Diese Inkonsistenz wirkt leider wie eine halbherzige Umsetzung eines ansonsten spannenden Konzepts. Außerdem ist die Verteilung der Kostüme sehr ungleich: Während einige Charaktere wie Donkey Kong nur ein alternatives Outfit haben, können für Yoshi bis zu neun verschiedene Varianten freigeschaltet werden.
Viele Kostüme werden durch zufällige Drops freigeschaltet, was den Spielfortschritt erschwert und die Motivation auf lange Sicht schmälert. Hier hätte man sich eine organischere Methode gewünscht, etwa über Meilensteine, Herausforderungen oder Missionen – wie es sich für eine so etablierte Reihe gehört. Bei den NPCs wird es noch willkürlicher. So können diese nur freigeschaltet werden, wenn jemand Kameks Kugel einsetzt, welche alle Fahrer in einen zufälligen NPC verwandelt. Wenn dieser noch nicht zum Cast gehört, wird er nun freigeschaltet. Da braucht es eine menge Zeit und Glück um alle Charaktere freizuschalten.
Die Menüführung bei der Charakter- und Outfit-Auswahl macht das Ganze leider nicht besser. Die schiere Menge an Fahrern und ihren unterschiedlichen Kostümen wird allesamt einzeln aufgelistet, was das Menü überladen und unübersichtlich erscheinen lässt. Sortierfunktionen oder eine Favoritenverwaltung fehlen komplett. Gerade bei der großen Auswahl verliert man so schnell den Überblick und muss mühselig scrollen, statt gezielt seine Lieblingskombination zu wählen. Das stört den Spielfluss und wirkt im Vergleich zu anderen Mario Kart-Teilen nicht zeitgemäß.
Insgesamt bietet Mario Kart World also einerseits eine erfreulich vielfältige Charakterpalette und mit den Outfits eine schöne Möglichkeit, dem eigenen Fahrer einen individuellen Look zu verpassen. Andererseits wirkt das System unausgereift und teilweise lieblos integriert – ein spannendes Feature, das zu wenig ausgereizt wurde. Hier bleibt zu hoffen, dass Nintendo in zukünftigen Updates oder Nachfolgern an der Tiefe und Benutzerfreundlichkeit feilt.
Steuerung – Zugänglich, aber nicht ganz präzise
Die Steuerung von Mario Kart World ist wie immer ein zentraler Faktor für den Spielspaß – und Nintendo bietet auch diesmal wieder eine breite Palette an Eingabemöglichkeiten. Ob klassisches Joy-Con-Handling, Pro Controller oder Bewegungssteuerung mit den Switch-Controllern, jeder kann für sich die passende Steuerung finden.
Das grundlegende Handling ist zugänglich und einsteigerfreundlich gestaltet. Die bewährte Schlausteuerung („Smart Steering“) unterstützt vor allem Anfänger dabei, enge Kurven sicher zu meistern und ungewollte Kollisionen zu vermeiden – so gibt es weniger Frustmomente, gerade in chaotischen Mehrspieler-Rennen. Erfahrene Spieler können diese Hilfen jederzeit deaktivieren, um das Fahrzeug direkter und präziser zu steuern.
Neu in Mario Kart World ist die Grind-Funktion: Ähnlich wie in der „F-Zero“-Reihe können Fahrer an bestimmten Schienen oder Kanten entlang „grinden“. Diese Mechanik fügt eine spannende vertikale Dimension zum Gameplay hinzu und eröffnet neue taktische Möglichkeiten – sei es, um Abkürzungen zu nehmen oder Gegner auszutricksen. Das Grind-Feature ist dabei überraschend intuitiv integriert und lässt sich flüssig mit klassischen Manövern verbinden.
Der bekannte Drift spielt natürlich weiterhin eine große Rolle. Mit dem Drift-System können Spieler besonders enge Kurven besser nehmen und zusätzlich einen Turbo-Boost aufladen. In Mario Kart World fühlt sich das Driften präzise und befriedigend an, auch wenn es bei hektischen Passagen manchmal etwas schwerfällig wirken kann. Die Kombination aus Drift und Grind verlangt von Spielern etwas Übung, belohnt aber mit einem hohen Skill-Cap und viel Spieltiefe.
Allerdings ist das Handling nicht immer vollkommen rund. Gerade wenn es auf engstem Raum hektisch zugeht, wirken die Fahrzeuge gelegentlich etwas schwammig und reagieren verzögert. Das führt mitunter zu ungewollten Fehlern, die gerade auf anspruchsvolleren Streckenabschnitten oder im dichten Fahrerlager frustrieren können. Hier ist eine Eingewöhnungszeit nötig, um sich voll mit den Steuerungsmöglichkeiten vertraut zu machen.
Insgesamt ist die Steuerung solide und bietet mit den neuen Grind-Passagen eine interessante Erweiterung des klassischen Mario Kart-Gameplays. Dennoch vermissen wir hier und da etwas die Präzision, die vor allem in der kompetitiven Szene wichtig wäre.
Grafik und Sound – Charmant, aber technisch nicht auf höchstem Niveau
Visuell präsentiert sich Mario Kart World im typischen, bunten Mario-Stil mit lebendigen Farben und liebevollen Details. Die Charaktermodelle sind knuffig animiert, die Strecken abwechslungsreich gestaltet. Die offene Welt bietet einige tolle Aussichtspunkte und lädt zum Erkunden ein.
Technisch ist das Spiel solide, allerdings nicht ganz auf dem Niveau anderer großer Nintendo-Titel. Gerade in der offenen Welt kommt es gelegentlich zu kleineren Framerate-Einbrüchen und Texturdetails könnten höher sein. Die Entwickler haben hier bewusst einen Kompromiss zwischen optischer Pracht und flüssigem Gameplay gewählt.
Der Soundtrack besteht aus klassischen Mario-Kart-Melodien, die modern neu arrangiert wurden. Die Musik ist eingängig und hebt die spaßige Stimmung, wirkt aber auf Dauer etwas repetitiv. Die Soundeffekte sind solide, aber auch nicht überragend. Für eingefleischte Fans ist der Sound natürlich ein wichtiger Teil des Gesamterlebnisses.
Online-Modus – Hit oder Flop?
Einer der wichtigsten Aspekte im Test ist der Online-Modus von Mario Kart World. Nintendo hat hier große Erwartungen geweckt, doch die Umsetzung sorgt für gemischte Gefühle.
Das Matchmaking funktioniert weitgehend zuverlässig, und es macht Spaß, mit Freunden oder weltweit gegen andere Spieler anzutreten. Die Möglichkeit, in der offenen Welt gemeinsam zu fahren oder in klassischen Rennmodi online anzutreten, erweitert das Spielgefühl.
Allerdings gibt es öfter Lags und Verbindungsprobleme, besonders wenn viele Fahrer gleichzeitig unterwegs sind. Das führt teilweise zu unfairen Situationen, die den Spielspaß trüben. Zudem fehlt ein integriertes Voice-Chat-System, was die Kommunikation erschwert.
Besonders der fehlende klassische Battle-Modus online ist ärgerlich. Stattdessen gibt es einige alternative Wettbewerbe, die jedoch nicht an die Tiefe früherer Teile heranreichen. Insgesamt bietet der Online-Modus zwar eine solide Grundlage, jedoch mit Luft nach oben für zukünftige Updates.
Fazit – Solider Neustart mit viel Potenzial und kleinen Schwächen
Mario Kart World wagt mit der offenen Welt einen mutigen Schritt, der frischen Wind in die Reihe bringt. Das bewährte Renngefühl bleibt erhalten, ergänzt um neue Items und eine umfangreiche Charakterauswahl. Die Open-World-Struktur ist optisch gelungen, sorgt aber spielerisch für gemischte Reaktionen. Die Steuerung ist zugänglich, wirkt aber manchmal etwas schwammig. Grafik und Sound sind charmant, aber technisch nicht perfekt.
Der Online-Modus bietet spannende Renn-Action, kämpft aber mit Verbindungsproblemen und fehlenden klassischen Modi. Fans der Serie werden viele schöne Momente finden, müssen aber auch mit einigen Frustmomenten leben.
Insgesamt ist Mario Kart World ein gelungener Neustart, der mit weiteren Updates noch deutlich zulegen kann – vor allem wenn Nintendo die Online-Erfahrung verbessert und den Battle-Modus wieder einführt.
Positiv
- Riesige Charakterauswahl
- KO-Rennen bringt frischen Wind
- Strecken liebevoll designt
Negativ
- manchmal leere Openworld
- Freischaltfunktionen etwas nervig
05. Juni 2025
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