Wario ist zurück und bringt Bewegung ins Wohnzimmer. Nachdem WarioWare: Get It Together! die bekannten Mikrospiele mit direkt steuerbaren Figuren kombinierte, setzt WarioWare: Move It! wieder vollständig auf die besonderen Möglichkeiten der Nintendo-Hardware. Zwei Joy-Con werden geschüttelt, gedreht, über den Kopf gehalten oder an ungewöhnlichen Körperstellen positioniert.
Mehr als 200 Mikrospiele müssen innerhalb weniger Sekunden verstanden und bewältigt werden. Mal rupfen wir Federn aus einem Vogel, mal reinigen wir einen Schildkrötenpanzer oder helfen einer verstopften Toilette. Die eigentliche Aufgabe ist häufig sehr einfach. Der Spaß entsteht daraus, dass kaum Zeit bleibt, um über die passende Bewegung nachzudenken.
Move It! erinnert damit deutlich an WarioWare: Smooth Moves für Nintendo Wii. Die Rückkehr zur Bewegungssteuerung passt hervorragend zum absurden Humor der Reihe und sorgt besonders in einer Gruppe für zahlreiche Lacher. Allein verliert Warios sportlicher Inselurlaub jedoch schneller an Reiz.
Wario gewinnt einen unfreiwilligen Urlaub
Wario entdeckt eine Werbeaktion, bei der Käufer von Knoblauchburgern eine Reise auf die Ferieninsel Caresaway Island gewinnen können. Da er gleich 50 Burger bestellt, erhält er tatsächlich den Hauptpreis – allerdings handelt es sich um eine Gruppenreise für Wario und zahlreiche Begleiter.
Seine Freunde lassen sich nicht lange bitten. Mona, Ashley, Jimmy T., 9-Volt, Dr. Crygor und viele weitere bekannte WarioWare-Figuren reisen gemeinsam auf die Insel. Dort werden sie von den Bewohnern mit geheimnisvollen Formsteinen begrüßt, die optisch stark an Joy-Con erinnern. Diese sollen der Gruppe bei ihren verschiedenen Abenteuern helfen.
Eine zusammenhängende Geschichte sollte man nicht erwarten. Die einzelnen Gruppenmitglieder erleben kurze, weitgehend unabhängige Episoden. Mona sucht im Meer nach außergewöhnlichen Wesen, Ashley muss ihrem Begleiter Red helfen und andere Figuren geraten in prähistorische oder übernatürliche Situationen.
Die Handlung ist hauptsächlich ein Vorwand für möglichst ungewöhnliche Mikrospiele. Das funktioniert gut, weil die kurzen Filmsequenzen voller übertriebener Animationen und absurder Wendungen stecken. Wario bleibt der gierige und selbstbezogene Anführer, der selbst im Urlaub vor allem an Essen und wertvolle Schätze denkt.
Innerhalb von Sekunden richtig reagieren
Das bekannte Grundprinzip bleibt unverändert. Eine kurze Anweisung erscheint auf dem Bildschirm und wenige Augenblicke später muss die Aufgabe bereits abgeschlossen sein. Mit jedem erfolgreichen Mikrospiel steigt das Tempo. Fehler kosten einen Versuch, bis der aktuelle Abschnitt nach mehreren Niederlagen beendet wird. Am Ende einer Folge wartet ein längeres Boss-Mikrospiel.
Statt Tasten oder Analogsticks stehen diesmal Bewegungen im Mittelpunkt. Vor jedem Mikrospiel zeigt das Spiel eine sogenannte Form an. Sie gibt vor, wie die Joy-Con gehalten werden müssen. Bei einer Form liegen die Controller beispielsweise seitlich an der Hüfte, bei einer anderen werden sie vor dem Gesicht oder über dem Kopf positioniert.
Aus dieser Grundhaltung entsteht die eigentliche Aktion. Die Arme werden wie die Räder eines Zuges bewegt, ein imaginäres Schwert wird geschwungen oder der gesamte Körper geht in die Knie. Manche Aufgaben verlangen nur eine kleine Drehung des Handgelenks, andere beziehen Schultern, Beine oder den Oberkörper ein.
Die Formen werden nach und nach eingeführt. Kurze, bewusst übertrieben feierliche Erklärungen zeigen, wie die Joy-Con zu halten sind. Diese Präsentation gehört zu den besten Gags des Spiels. Eine Bewegung, die wenige Sekunden später zum Schütteln eines Gegenstands verwendet wird, erhält zunächst eine Erklärung, als handele es sich um eine jahrhundertealte Kampfkunst.
Die meisten Mikrospiele lassen sich intuitiv verstehen. Der kurze Befehl, die Animationen und die Controllerposition liefern normalerweise genügend Hinweise. Gerade beim ersten Auftauchen einer Form kann die erforderliche Bewegung trotzdem unklar sein. Da nur wenige Sekunden zur Verfügung stehen, endet der erste Versuch gelegentlich mit einer Niederlage, bevor man das eigentliche Ziel verstanden hat.
Die Bewegungserkennung funktioniert überwiegend zuverlässig, verlangt aber eine saubere Ausgangsposition. Wer die Joy-Con bereits vor dem Beginn eines Mikrospiels falsch hält oder zu früh bewegt, kann den Sensor verwirren. Einige Aufgaben reagieren außerdem empfindlicher als andere. Dann fühlt sich ein Fehler weniger nach einer falschen Reaktion und mehr nach einem Missverständnis zwischen Spieler und Controller an.
Einzelne Mikrospiele verwenden zusätzliche Funktionen wie die Infrarotkamera des rechten Joy-Con. Diese Ideen bringen Abwechslung, sind aber stärker von Entfernung, Haltung und Umgebung abhängig als normale Bewegungen. Der schnelle Wechsel zwischen unterschiedlichen Formen ist deshalb gleichzeitig die größte Stärke und die häufigste Ursache kleiner Steuerungsprobleme.
Gemeinsam durch die Mikrospiele
Der Storymodus kann allein oder lokal zu zweit gespielt werden. Für den Solomodus wird ein vollständiges Joy-Con-Paar benötigt. Ein zweiter Spieler benötigt ein weiteres Paar, sodass für die kooperative Kampagne insgesamt vier Joy-Con erforderlich sind.
Im Koop-Modus müssen beide Teilnehmer teilweise dieselbe Bewegung ausführen. Andere Aufgaben verteilen unterschiedliche Rollen. Häufig reicht es aus, wenn einer der Spieler das Ziel erreicht. Dadurch können erfahrene Teilnehmer kleinere Fehler des Partners ausgleichen.
Gerade zu zweit entfaltet die Kampagne ihren größten Unterhaltungswert. Da beide Personen gleichzeitig vor dem Fernseher herumfuchteln, entstehen selbst bei erfolgreichen Mikrospielen komische Situationen. Misslingt die Aufgabe, ist häufig nicht sofort klar, wer die falsche Bewegung ausgeführt hat.
Für zwei bis vier Spieler steht außerdem ein eigener Partybereich zur Verfügung. Dort werden die Mikrospiele in längere Wettbewerbe eingebunden. In einer Variante bewegen sich die Teilnehmer über ein Spielbrett, während andere Modi auf Ausscheidungsrunden, Teamduelle oder zusätzliche Anweisungen setzen. Beim „Doktor“-Spiel wird beispielsweise nicht nur das Mikrospiel bewertet: Die Mitspieler sollen auch die ausgeführte Bewegung beurteilen.
Nach dem Abschluss der Geschichte werden weitere Varianten freigeschaltet. Dazu gehört ein Modus, bei dem eine Person die Bewegungen des Partners nachahmen muss, ohne direkt auf den Spielbildschirm zu schauen. Andere Herausforderungen erhöhen die Geschwindigkeit oder lassen nur einen einzigen Fehler zu.
Einen Online-Mehrspieler gibt es nicht. Sämtliche kooperativen und kompetitiven Modi sind für Teilnehmer gedacht, die sich vor derselben Konsole befinden. Das passt zwar zur körperlichen Ausrichtung des Spiels, schränkt die Möglichkeiten ohne regelmäßig verfügbare Mitspieler aber deutlich ein. Nintendo führt ausschließlich lokalen Mehrspieler für bis zu vier Personen auf.
Kontrolliertes Durcheinander
Optisch bleibt Move It! der WarioWare-Reihe treu. Innerhalb weniger Sekunden wechselt das Spiel zwischen Zeichnungen, einfachen 3D-Modellen, Pixelgrafik, Fotografien und bewusst merkwürdigen Animationen. Eine einheitliche Gestaltung gibt es nicht – und genau dadurch erhält die Sammlung ihren eigenen Charakter.
Die Rahmenhandlung verwendet farbenfrohe 3D-Umgebungen und ausdrucksstarke Figuren. Wario und seine Freunde reagieren mit übertriebener Mimik auf Erfolge, Niederlagen und die seltsamen Ereignisse der Insel. Kurze Sprachausgaben und energische Geräusche treiben die Mikrospiele zusätzlich an.
Technisch läuft das Spiel stabil. Die kurze Ladezeit zwischen den Mikrospielen hält das hohe Tempo aufrecht und auch im Vier-Spieler-Modus bleibt die Darstellung übersichtlich. Da sich alle Teilnehmer bewegen müssen, ist ein Fernseher mit ausreichend Abstand die beste Wahl.
Der klassische Handheld-Modus mit an der Konsole befestigten Joy-Con wird nicht unterstützt. Auf einer Switch Lite sind separate Controller und eine Möglichkeit zum Aufstellen des kleinen Bildschirms notwendig. Für die vollständige Wirkung ist die normale Switch im TV-Modus deshalb klar besser geeignet.
Kurzer Urlaub, lange Partyabende
Die Storykampagne fällt kompakt aus und kann innerhalb weniger Spielabende abgeschlossen werden. Ihr wichtigstes Ziel besteht darin, sämtliche Formen, Figurenepisoden und Mikrospiele einzuführen. Nach dem Abspann warten zusätzliche Herausforderungen, schwierigere Zusammenstellungen und das Museum, in dem freigeschaltete Mikrospiele gezielt wiederholt werden können.
Mehr als 200 Aufgaben klingen zunächst nach einem riesigen Umfang. Da jedes Mikrospiel nur wenige Sekunden dauert und viele Varianten schnell auftauchen, ist die reine Zahl aber nicht mit 200 vollständigen Minispielen vergleichbar. Die Langzeitmotivation entsteht vor allem durch höhere Geschwindigkeiten, schwierigere Stufen und die Reaktionen anderer Spieler.
Allein bietet Move It! genügend Inhalt für einige unterhaltsame Abende und die Jagd nach besseren Ergebnissen. Der wichtigste Grund für regelmäßige Rückkehr bleiben jedoch die Mehrspielermodi. Mit wechselnden Gruppen fühlen sich dieselben Bewegungen immer wieder anders an, weil nicht nur das Ergebnis, sondern auch die körperliche Darbietung für Unterhaltung sorgt.
Fazit
WarioWare: Move It! ist ein herrlich albernes Bewegungsspiel, das seine ungewöhnliche Steuerung konsequent ausnutzt. Die verschiedenen Formen verwandeln selbst einfache Aufgaben in kleine körperliche Aufführungen. Mehr als 200 Mikrospiele liefern ständig neue Überraschungen und der typische WarioWare-Humor bleibt von der ersten bis zur letzten Episode erhalten.
Die Bewegungserkennung funktioniert meistens gut, ist aber nicht vollkommen fehlerfrei. Einzelne Aufgaben reagieren empfindlich auf die Ausgangsposition und einige Formen benötigen mehr Platz, als man zunächst erwartet. Auch die erforderlichen Joy-Con erhöhen die Einstiegshürde für größere Gruppen.
Seine größte Stärke zeigt Move It! gemeinsam vor dem Fernseher. Im Koop-Modus und bei den Partyvarianten werden misslungene Bewegungen oft unterhaltsamer als perfekte Durchgänge. Wer hauptsächlich allein spielt oder Bewegungssteuerung grundsätzlich nicht mag, erhält dagegen ein kurzes und weniger dauerhaft motivierendes Erlebnis.
Für Familien, Freundesgruppen und Fans von WarioWare: Smooth Moves ist Warios Inselurlaub dennoch eine gelungene Rückkehr zum bewegungsgesteuerten Chaos. Move It! ist kein Spiel für ruhige Abende auf dem Sofa – sondern eine Aufforderung, aufzustehen, sich lächerlich zu machen und gemeinsam darüber zu lachen.