Princess Peach gehört seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Figuren des Pilz-Königreichs. Trotzdem durfte sie nur selten allein im Mittelpunkt eines großen Abenteuers stehen. Mit Princess Peach: Showtime! bekommt die Herrscherin nun endlich ihren eigenen Auftritt auf der Nintendo Switch.
Dabei versucht das Spiel nicht, ein gewöhnliches Super-Mario-Abenteuer mit ausgetauschter Hauptfigur zu sein. Stattdessen besucht Peach ein Theater, schlüpft in zehn verschiedene Rollen und wechselt regelmäßig das Spielgenre. Mal kämpft sie als Fechterin mit einem Degen, mal untersucht sie als Detektivin einen Tatort. Wenige Minuten später dekoriert sie Torten, galoppiert durch eine Westernkulisse oder rettet als Superheldin eine ganze Stadt.
Diese Vielfalt macht Princess Peach: Showtime! zu einem der ungewöhnlichsten Ableger des Mario-Universums. Gleichzeitig verschwinden viele interessante Ideen bereits wieder hinter dem Vorhang, bevor sie ihr vollständiges Potenzial entfalten können.
Ärger im Funkeltheater
Princess Peach erhält eine Einladung zu einer Aufführung im Funkeltheater und reist gemeinsam mit mehreren Toads zu dem Veranstaltungsort. Der geplante Theaterbesuch nimmt jedoch bereits kurz nach ihrer Ankunft eine unerwartete Wendung.
Die geheimnisvolle Madame Grape und ihre Saure Bande übernehmen das Gebäude, sperren die Besucher ein und verwandeln die einzelnen Aufführungen in düstere Versionen ihrer selbst. Peach begegnet daraufhin Stella, der funkelnden Wächterin des Theaters. Gemeinsam machen sich die beiden daran, die Bühnenstücke zu retten und Madame Grape aus dem Gebäude zu vertreiben.
Die Handlung bleibt bewusst einfach und dient hauptsächlich als Verbindung zwischen den verschiedenen Vorstellungen. Madame Grape ist keine besonders tiefgründige Gegenspielerin und auch Stella erhält nur wenig Gelegenheit, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Als Rahmen für die abwechslungsreichen Bühnenwelten erfüllt die Geschichte ihren Zweck dennoch gut.
Besonders erfreulich ist, dass Peach nicht einfach Marios traditionelle Rolle übernimmt. Sie muss weder den Klempner retten noch das Pilz-Königreich gegen Bowser verteidigen. Showtime! erzählt ein eigenständiges Abenteuer, das sich vollständig auf Peach, das Theater und ihre unterschiedlichen Talente konzentriert.
Zehn Rollen, viele Spielideen
Zu Beginn verteidigt sich Peach hauptsächlich mit Stellas Funkelband. Ein Tastendruck löst eine elegante Drehbewegung aus, mit der die Prinzessin Gegner zurückdrängt, Gegenstände verändert und verängstigte Theaterbewohner aufmuntert.
Die Funkelkraft dient gleichzeitig als Angriff, Werkzeug und Möglichkeit zur Suche nach Geheimnissen. Kleine Scheinwerfer auf dem Boden markieren beispielsweise Stellen, an denen Peach eine besondere Pose einnehmen kann. Dadurch gelangt sie häufig in versteckte Bereiche mit zusätzlichen Sammelobjekten.
Die grundlegende Steuerung bleibt übersichtlich. Peach kann laufen, springen und eine zur aktuellen Rolle passende Aktion ausführen. Komplexe Tastenkombinationen oder umfangreiche Fähigkeitensysteme gibt es nicht. Dadurch lässt sich das Spiel auch ohne große Erfahrung schnell verstehen.
Das wichtigste Merkmal sind die zehn Verwandlungen. Jedes Kostüm verändert Peachs Fähigkeiten und teilweise sogar den gesamten Aufbau eines Levels. Als Fechterin pariert sie gegnerische Angriffe und schlägt mit einem Degen zurück. Ninja-Peach schleicht durch hohes Gras, springt zwischen Wänden und schaltet Gegner unbemerkt aus. Cowgirl Peach verwendet ein Lasso und verfolgt Banditen auf dem Rücken eines Pferdes.
Darüber hinaus wird Peach zur Kung-Fu-Kämpferin, Patissière, Detektivin, Eiskunstläuferin, Meerjungfrau, Meisterdiebin und mächtigen Superheldin. Das Spiel wechselt dadurch zwischen leichter Action, Plattformpassagen, Rätseln, Rhythmusaufgaben, Schleichabschnitten und kleinen Minispielen.
Besonders gelungen sind die Rollen, die Peachs Bewegung deutlich verändern. Als Meisterdiebin schwingt sie sich an Haken durch die Luft, umgeht Sicherheitssysteme und bewegt sich über größere Abgründe. Cowgirl Peach verbindet den Einsatz ihres Lassos mit schnellen Verfolgungsjagden durch Westernkulissen. Die mächtige Peach hebt schwere Gegenstände an, wirft Gegner durch die Umgebung und fliegt durch eine bedrohte Stadt.
Auch Fechterin Peach gehört zu den überzeugendsten Verwandlungen. Gegnerische Angriffe müssen im richtigen Moment abgewehrt werden, bevor Peach zum Gegenangriff übergeht. Die großzügigen Zeitfenster machen die Kämpfe leicht zugänglich. Gleichzeitig sorgt die elegante Inszenierung dafür, dass sich selbst einfache Begegnungen wie Szenen aus einem Abenteuerfilm anfühlen.
Ruhigere Rollen bringen zusätzliche Abwechslung. Detektivin Peach untersucht Tatorte, spricht mit Verdächtigen und kombiniert Hinweise. Patissière Peach bereitet Kekse zu und dekoriert Torten, während Eiskunstläuferin Peach Pirouetten und kleine Choreografien aufführt. Als Meerjungfrau kontrolliert sie mit ihrem Gesang verschiedene Meeresbewohner.
Die große Vielfalt ist die wichtigste Stärke des Spiels. Kaum hat man sich an eine Mechanik gewöhnt, beginnt bereits die nächste Vorstellung. Dadurch entstehen nur selten längere Abschnitte, die sich wiederholen oder ihren Reiz vollständig verlieren.
Gleichzeitig liegt darin auch die größte Schwäche. Keine Verwandlung erhält genügend Zeit, um ein wirklich tiefes Spielsystem zu entwickeln. Nach wenigen Minuten kennt man meistens alle grundlegenden Möglichkeiten einer Rolle. Spätere Bühnen erhöhen gelegentlich das Tempo, erweitern die Mechaniken aber nur selten entscheidend.
Auch der Schwierigkeitsgrad bleibt sehr niedrig. Gegner kündigen ihre Angriffe deutlich an, Rätsel weisen stark auf ihre Lösungen hin und Fehler führen nur selten zu größeren Verlusten. Selbst die meisten Bosskämpfe lassen großzügig Zeit für Reaktionen.
Für jüngere Spieler und Menschen mit wenig Spielerfahrung ist diese Zugänglichkeit ideal. Showtime! führt unterschiedliche Genres verständlich ein und überfordert kaum. Erfahrene Spieler dürften sich dagegen eine zusätzliche Schwierigkeitsstufe wünschen. Anspruch entsteht meistens nur bei der Suche nach allen Sammelobjekten.
Die Bosskämpfe bilden die Höhepunkte der einzelnen Theaterbereiche. Peach tritt gegen große Bühnenmonster an, weicht weitreichenden Attacken aus und nutzt die Umgebung, um Schwachstellen freizulegen. Die Kämpfe bleiben einfach, überzeugen aber durch ihre Inszenierung und abwechslungsreichen Perspektiven.
Das Theater als eigentlicher Star
Princess Peach: Showtime! überzeugt vor allem mit seiner ungewöhnlichen Präsentation. Sämtliche Level werden wie echte Bühnenstücke dargestellt. Im Hintergrund stehen bemalte Kulissen, Gebäude bestehen aus Holz und Pappe und Bühnentechniker verändern während einer Vorstellung sichtbar die Umgebung.
Wenn eine Stadt zerstört wird, klappen Teile der Kulisse einfach um. Neue Hintergründe fahren aus dem Boden und Scheinwerfer verfolgen Peach bei wichtigen Aktionen. Selbst Wasser, Rauch und Explosionen erinnern häufig an praktische Bühneneffekte.
Die Umgebung versucht nie zu verbergen, dass alles nur Teil einer Aufführung ist. Gerade dadurch entwickeln die Welten ihren eigenen Charme. Das Theaterkonzept beeinflusst nicht nur die Handlung, sondern auch Animationen, Übergänge und das Leveldesign.
Peach selbst profitiert ebenfalls von der Präsentation. Jede Verwandlung besitzt eigene Bewegungen, Posen und Gesichtsausdrücke. Als Fechterin tritt sie selbstbewusst auf, als Detektivin betrachtet sie nachdenklich ihre Umgebung und als Superheldin hebt sie scheinbar mühelos Fahrzeuge an.
Technisch erreicht das Spiel allerdings nicht durchgehend die Qualität seiner künstlerischen Gestaltung. Einige Figuren und Hintergründe wirken unscharf. Hinzu kommen gelegentliche Ruckler und Einbrüche der Bildrate. Auch manche Ladeübergänge fallen länger aus, als es für ein ansonsten flüssig aufgebautes Abenteuer angenehm wäre.
Die Probleme machen das Spiel nicht unspielbar. Da Showtime! nur selten besonders präzise Eingaben verlangt, führen kurze Schwankungen kaum zu unfairen Fehlern. Trotzdem hätte die aufwendig inszenierte Bühnenwelt von einer stabileren Darstellung profitiert.
Die Musik passt sich den jeweiligen Rollen und Vorstellungen an. Abenteuerliche Stücke begleiten die Fechterin, während ruhigere Melodien die Detektiv- und Backabschnitte unterstützen. Die Kompositionen drängen sich selten in den Vordergrund, tragen aber wirkungsvoll zur Theateratmosphäre bei.
Ein kompakter Theaterabend
Die Hauptgeschichte fällt vergleichsweise kurz aus. Wer dem direkten Weg folgt und nicht nach jedem Funkelkristall sucht, kann den Abspann innerhalb weniger Spielabende erreichen.
In den Bühnenstücken sind mehrere Funkelkristalle versteckt. Einige liegen direkt auf dem Hauptweg, andere werden für besondere Aktionen oder erfolgreich abgeschlossene Herausforderungen vergeben. Zusätzlich lassen sich Schleifen finden, mit denen neue Farben und Designs für Peach und Stella freigeschaltet werden.
Diese Sammelobjekte erhöhen den Wiederspielwert, weil bei einem normalen Durchgang leicht einzelne Kristalle übersehen werden. Manche Geheimnisse liegen hinter Bühnenteilen, andere können nur während kurzer Szenen eingesammelt werden.
Problematisch ist der lineare Aufbau. Sobald Peach einen Abschnitt verlassen oder einen Kulissenwechsel ausgelöst hat, kann sie häufig nicht zurückkehren. Wer ein Objekt verpasst, muss später das komplette Bühnenstück wiederholen. Da Dialoge und Animationen nicht immer schnell übersprungen werden können, wird die Suche für Komplettisten gelegentlich unnötig umständlich.
Zusätzliche Herausforderungen und freischaltbare Kostüme verlängern die Spielzeit. Trotzdem bleibt das Gesamtpaket überschaubar. Die kompakte Länge hat jedoch auch einen Vorteil: Das Spiel enthält kaum klassische Füllaufgaben und präsentiert regelmäßig neue Orte, Rollen und Mechaniken.
Fazit
Princess Peach: Showtime! ist ein charmanter und außergewöhnlich abwechslungsreicher Auftritt für die Herrscherin des Pilz-Königreichs. Das Spiel setzt Peach nicht einfach an Marios Stelle, sondern entwickelt ein eigenes Konzept rund um Theaterstücke, Verwandlungen und wechselnde Spielgenres.
Die zehn Rollen sorgen dafür, dass beinahe jede Vorstellung eine neue Idee präsentiert. Besonders die Fechterin, das Cowgirl, die Meisterdiebin und die Superheldin überzeugen mit gelungenen Bewegungen und spektakulären Szenen. Auch ruhigere Verwandlungen wie die Patissière oder Eiskunstläuferin passen hervorragend zur bunten Bühnenwelt.
Die große Vielfalt geht allerdings auf Kosten der Tiefe. Viele Mechaniken werden nur kurz verwendet, Rätsel verraten ihre Lösungen sehr deutlich und Kämpfe stellen selten eine ernsthafte Herausforderung dar. Hinzu kommen kleinere technische Schwächen und umständliche Levelwiederholungen bei der Suche nach Sammelobjekten.
Für jüngere Spieler, Peach-Fans und alle, die ein entspanntes Abenteuer mit ständig wechselnden Ideen suchen, ist Showtime! dennoch eine gelungene Vorstellung. Erfahrene Spieler sollten dagegen wissen, dass die spielerische Herausforderung bereits deutlich vor dem letzten Vorhang von der Bühne verschwindet.
Princess Peach: Showtime! bringt die Prinzessin erfolgreich ins Rampenlicht: Die Rollen wechseln ständig, der Charme bleibt – nur die spielerische Tiefe fällt etwas zu knapp aus.