Mario und Sonic treffen sich erneut im sportlichen Wettkampf. In Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen: Tokyo 2020 treten Figuren aus beiden Spielwelten im Stadion, auf dem Wasser und sogar auf der Halfpipe gegeneinander an. Neben bekannten Disziplinen wie Schwimmen, Fechten und Bogenschießen feiern Sportklettern, Karate, Surfen und Skateboarding ihren Einstand.
Die größte Überraschung wartet jedoch abseits der modernen Wettkampfstätten. Ein eigener Retro-Bereich versetzt Mario, Sonic und ihre Rivalen zu den Olympischen Spielen von Tokio 1964. Mario-Figuren erscheinen dort im 8-Bit-Stil, während Sonic und seine Freunde wie Charaktere aus einem Mega-Drive-Spiel aussehen.
Mit insgesamt 34 frei auswählbaren Wettbewerben, einem Storymodus sowie lokalen und onlinebasierten Mehrspielerfunktionen bietet das Spiel zunächst reichlich Abwechslung. Viele Disziplinen sind allerdings sehr einfach aufgebaut und die fehlende Turnierstruktur verhindert, dass aus den einzelnen Wettkämpfen eine vollständig überzeugende Sportparty entsteht.
Gefangen in Tokio 1964
Bowser und Dr. Eggman haben eine vermeintliche Spielekonsole namens Tokyo ’64 vorbereitet. Mit ihrer Hilfe wollen sie Mario und Sonic in einem Retro-Videospiel einsperren. Der Plan geht jedoch schief: Neben den beiden Helden werden auch Bowser und Eggman in das Gerät gezogen.
Die vier Rivalen landen bei den Olympischen Spielen von Tokio 1964. Um in die Gegenwart zurückzukehren, müssen sie Goldmedaillen sammeln und sich in verschiedenen klassischen Sportarten messen. Währenddessen versuchen Luigi und Tails im modernen Tokio, ihre Freunde aus der Konsole zu befreien. Dabei besuchen sie Wettkampfstätten, suchen nach Batterien und bitten weitere Figuren aus beiden Serien um Unterstützung.
Der Storymodus verbindet moderne und historische Wettbewerbe mit kurzen Erkundungspassagen. An verschiedenen Orten lassen sich Informationen über Tokio, die Olympischen Spiele und einzelne Sportstätten entdecken. Die Handlung bleibt bewusst albern und bietet einige gelungene Begegnungen zwischen Charakteren, die normalerweise kaum miteinander sprechen.
Leider wird das Abenteuer durch lange Textboxen ausgebremst. Mehrere Figuren wiederholen Informationen, die bereits bekannt sind, und beinahe jede neue Begegnung führt zu einer weiteren Erklärung der Konsole. Da die Geschichte ungefähr vier Stunden dauert, fällt dieses langsame Erzähltempo besonders deutlich auf. Zehn zusätzliche Minispiele, die ausschließlich innerhalb der Handlung auftreten, sorgen immerhin für kleinere Überraschungen.
Eine Sportart für jeden Geschmack
Das Spiel enthält 21 moderne olympische Disziplinen. Dazu gehören unter anderem Fußball, 7er-Rugby, Badminton, Tischtennis, Boxen, Fechten, Bogenschießen, Speerwerfen, Schwimmen und Turnen. Vier Sportarten waren innerhalb der Reihe neu: Skateboarding, Sportklettern, Karate und Surfen.
Die Steuerung wird vor jedem Wettbewerb erklärt und bleibt meistens leicht verständlich. Häufig reichen zwei oder drei Tasten aus. Beim Sprint werden Knöpfe schnell abwechselnd gedrückt, beim Speerwurf muss zunächst Geschwindigkeit aufgebaut und anschließend der richtige Abwurfwinkel getroffen werden. Andere Disziplinen setzen stärker auf Timing oder die Positionierung der eigenen Figur.
Besonders gelungen ist Skateboarding. Innerhalb eines Zeitlimits werden Rampen, Geländer und andere Hindernisse für Tricks verwendet. Die Steuerung bleibt übersichtlich, bietet aber genügend Möglichkeiten, um bessere Kombinationen und höhere Punktzahlen anzustreben. Auch Sportklettern verlangt eine gute Mischung aus Orientierung und Timing.
Karate funktioniert als direktes Duell, bei dem Treffer, Reichweite und Gegenangriffe eine wichtige Rolle spielen. Surfen setzt dagegen auf Wellenbewegungen und Tricks. Hier ist die Kameraperspektive nicht immer hilfreich, wodurch Landungen schwerer einzuschätzen sind als bei den übrigen neuen Disziplinen.
Nicht alle Wettbewerbe besitzen denselben Umfang. Fußball und Rugby fühlen sich beinahe wie kleine eigenständige Sportspiele an, während Sprint oder Weitsprung nach wenigen Sekunden beendet sind. Das passt grundsätzlich zu einer Minispielsammlung, führt aber zu deutlichen Qualitätsunterschieden.
Zur Auswahl stehen 20 Hauptfiguren aus den Mario- und Sonic-Serien. Dazu gehören Mario, Luigi, Peach, Daisy, Bowser, Wario, Sonic, Tails, Knuckles, Amy, Shadow und Dr. Eggman. Sie können in sämtlichen regulären Disziplinen verwendet werden und besitzen unterschiedliche Schwerpunkte. Weitere zwölf Gastfiguren werden nur bei ausgewählten Wettbewerben eingesetzt. Insgesamt kommt das Spiel damit auf 32 spielbare Charaktere.
Knöpfe oder Bewegungssteuerung?
Viele moderne Disziplinen können wahlweise mit klassischer Tasten- oder Joy-Con-Bewegungssteuerung gespielt werden. Beim Bogenschießen werden die Controller wie Bogen und Sehne gehalten, während beim Speerwurf eine Wurfbewegung ausgeführt wird.
Die Idee eignet sich gut für einen lockeren Spieleabend, funktioniert aber nicht in jeder Sportart gleich zuverlässig. Einfache Bewegungen wie Paddeln oder Laufen werden ordentlich erkannt. Beim Zielen und bei komplizierteren Abläufen reagiert die Steuerung teilweise ungenau. Dann ist nicht immer erkennbar, ob die eigene Bewegung oder die Erfassung des Joy-Con für einen Fehler verantwortlich war.
Die Knopfsteuerung ist deshalb meist die zuverlässigere Wahl. Sie ermöglicht präzisere Eingaben und eignet sich besser für die Jagd nach Rekorden. Schade ist, dass die Bewegungssteuerung nicht in allen Disziplinen verfügbar ist und manche Varianten keine freie Wahl zwischen beiden Systemen anbieten.
Die beste Reise des Spiels
Die zehn Retro-Wettbewerbe gehören zu den interessantesten Bestandteilen. Sie orientieren sich an den Olympischen Spielen von Tokio 1964 und werden vollständig im Stil alter Videospiele dargestellt. Mario und seine Freunde verwenden NES-Grafiken, während die Sonic-Figuren als 16-Bit-Modelle auftreten. Ein zuschaltbarer Bildschirmfilter verstärkt den Eindruck eines alten Röhrenfernsehers.
Zu den historischen Disziplinen gehören 100-Meter-Lauf, 400-Meter-Hürden, Weitsprung, Marathon, Turmspringen, Pferdsprung, Kanu, Judo, Volleyball und Schießen. Sämtliche Wettbewerbe werden ausschließlich mit Knöpfen gesteuert.
Spielerisch sind die Retro-Disziplinen noch einfacher als die modernen Varianten. Trotzdem besitzen sie durch ihre Präsentation und direkten Regeln einen besonderen Charme. Gerade Marathon und Volleyball zeigen, dass der historische Stil mehr als ein kurzer Grafikfilter ist. Bedauerlich ist nur, dass die Auswahl auf acht Retro-Figuren beschränkt bleibt.
Traum-Wettbewerbe mit zu wenig Fantasie
Neben den realistischeren Sportarten gibt es drei Traum-Wettbewerbe. Beim Traum-Rennfahren treten acht Figuren auf einer Strecke voller Beschleunigungsfelder und Gegenstände gegeneinander an. Traum-Schießen verwandelt das Zielen auf Scheiben in eine farbenfrohe Arena, während Traum-Karate eroberte Felder in der eigenen Farbe markiert.
Diese Varianten dürfen sich deutlich weiter von den olympischen Vorbildern entfernen und Elemente aus Mario und Sonic verwenden. Gerade deshalb enttäuscht die geringe Anzahl. Drei Traum-Wettbewerbe reichen nicht aus, um das Potenzial der beiden Spielwelten vollständig zu nutzen. Besonders Surfen, Skateboarding oder Sportklettern hätten sich für weitere fantasievolle Varianten angeboten.
Unterhaltsam, aber ohne richtiges Turnier
Lokal können bis zu vier Spieler an einer Konsole gegeneinander antreten. Zusätzlich werden drahtlose Partien mit mehreren Switch-Systemen unterstützt. Online dürfen abhängig von der Disziplin bis zu acht Teilnehmer um Medaillen und Rekorde kämpfen. Dafür wird Nintendo Switch Online benötigt.
Gemeinsam machen selbst die einfacheren Wettbewerbe deutlich mehr Spaß. Ein knappes Karateduell oder ein misslungener Staffellauf erzeugt schnell die gewünschte Partystimmung. Das Spiel erklärt seine Regeln verständlich und lässt sich deshalb gut mit unerfahrenen Teilnehmern spielen.
Allerdings fehlt eine umfangreiche Turnierfunktion. Mehrere Sportarten können nicht bequem zu einem eigenen olympischen Mehrkampf zusammengestellt werden. Nach einem Wettbewerb geht es häufig zurück zur Auswahl, statt Punkte über mehrere Disziplinen hinweg zu sammeln. Damit fehlt dem Mehrspieler ein verbindender Rahmen, der langfristig für zusätzliche Spannung gesorgt hätte.
Auch online stehen schnelle, freie und ranglistenbasierte Wettkämpfe bereit. Bei weniger beliebten Disziplinen kann es inzwischen schwierig sein, ausreichend Mitspieler zu finden. Die Qualität der Verbindung hängt außerdem stark von der Anzahl und Internetanbindung der Teilnehmer ab.
Zwei Zeitalter treffen aufeinander
Die modernen Wettkämpfe präsentieren farbenfrohe Figurenmodelle, klare Animationen und detaillierte Sportstätten. Mario, Sonic und ihre Freunde reagieren mit übertriebenen Jubel- und Enttäuschungsposen auf ihre Ergebnisse. Auch bei schnellen Disziplinen bleibt das Geschehen gut lesbar.
Besonders überzeugend ist der Kontrast zum Retro-Bereich. Der Wechsel zwischen modernen Arenen und Pixelgrafik verleiht dem Storymodus eine eigene Identität. Technisch läuft das Spiel überwiegend flüssig, auffällige Probleme entstehen eher durch die Bewegungssteuerung als durch die Darstellung.
Die Musik erfüllt ihren Zweck mit sportlichen Melodien, kurzen Fanfaren und bekannten Klängen aus beiden Reihen. In den Retro-Wettbewerben passen sich auch die Geräusche an die alte Präsentation an. Wirklich einprägsame neue Stücke bleiben jedoch selten.
Gemeinsam deutlich stärker
Mit 34 regulären Wettbewerben, zehn Story-Minispielen und 32 Figuren bietet das Spiel auf dem Papier einen ordentlichen Umfang. Der Storymodus lässt sich jedoch nach wenigen Stunden abschließen. Danach bleiben Rekordjagden, Onlinepartien und 80 versteckte Herausforderungen. Große freischaltbare Belohnungen, Kostüme oder ein umfangreiches Sammelsystem gibt es nicht.
Für Einzelspieler verliert die Sammlung deshalb relativ schnell an Reiz. Die verschiedenen Disziplinen motivieren zwar dazu, eigene Ergebnisse zu verbessern, doch ohne neue Turniere oder größere Freischaltungen fehlt ein langfristiges Ziel. Gemeinsam mit Freunden ist der Wiederspielwert deutlich höher.
Seit dem 31. März 2026 wird Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen: Tokyo 2020 nicht mehr digital im Nintendo eShop verkauft. Bereits erworbene Versionen können weiterhin genutzt werden; Neueinsteiger sind auf eine physische Ausgabe angewiesen. Das Spiel bleibt außerdem der bislang letzte Teil der Reihe, nachdem die olympische Lizenz nicht für weitere Konsolenspiele mit Mario und Sonic verlängert wurde.
Fazit
Mario & Sonic bei den Olympischen Spielen: Tokyo 2020 ist eine zugängliche und farbenfrohe Sportsammlung, die vor allem gemeinsam vor dem Fernseher funktioniert. Die Auswahl reicht von kurzen Reaktionstests bis zu umfangreicheren Wettbewerben wie Fußball, Rugby, Skateboarding und Karate.
Den stärksten Eindruck hinterlassen die Retro-Disziplinen. Die Reise zu den Olympischen Spielen von 1964 verbindet historische Sportarten mit den unterschiedlichen Grafikstilen von Mario und Sonic. Auch der Storymodus nutzt diese Idee charmant, wird jedoch von langen Dialogen und Wiederholungen ausgebremst.
Die uneinheitliche Bewegungssteuerung, lediglich drei Traum-Wettbewerbe und die fehlende Möglichkeit, ein eigenes Mehrkampfturnier zusammenzustellen, verhindern ein vollständig rundes Gesamtpaket. Für Solospieler fällt die Motivation nach Abschluss der kurzen Geschichte schnell ab.
Familien und Freundesgruppen erhalten trotzdem eine unterhaltsame Auswahl unkomplizierter Sportspiele. Wer hauptsächlich allein antritt oder eine tiefere Simulation erwartet, sollte seine Erwartungen entsprechend anpassen.