Mario, Luigi, Peach und Bowser nehmen erneut hinter dem Lenkrad Platz. Mario Kart 8 Deluxe bringt das ursprünglich für Wii U veröffentlichte Rennspiel auf die Nintendo Switch und bündelt sämtliche Strecken, Fahrer und Erweiterungen der damaligen Fassung. Hinzu kommen ein vollständig überarbeiteter Kampfmodus, neue Figuren, zwei gleichzeitig tragbare Gegenstände und Hilfen für unerfahrene Fahrer.
Seit der Veröffentlichung im April 2017 wurde das Spiel außerdem mehrfach erweitert. Der optionale Booster-Streckenpass verdoppelt die Anzahl der Rennstrecken von 48 auf insgesamt 96 und ergänzt acht weitere Charaktere. Damit ist Mario Kart 8 Deluxe inzwischen eines der umfangreichsten Spiele der gesamten Reihe.
Trotz seines Alters fühlt sich das eigentliche Fahrverhalten weiterhin hervorragend an. Drifts, Abkürzungen und Fahrzeugkombinationen bieten genügend Tiefe für erfahrene Spieler, während Items und Fahrhilfen dafür sorgen, dass auch Einsteiger schnell an einer gemeinsamen Runde teilnehmen können. Nur eine richtige Einzelspielerkampagne fehlt weiterhin.
Spielmodi & Fahrer: Rennen ohne Geschichte
Eine klassische Handlung besitzt Mario Kart 8 Deluxe nicht. Stattdessen stehen die verschiedenen Renn- und Kampfmodi unmittelbar zur Auswahl. Im Grand Prix werden jeweils vier Strecken hintereinander gefahren. Neben 50, 100 und 150 Kubikzentimetern warten der gespiegelte Modus und die besonders schnelle 200-ccm-Klasse. Zeitfahren, Einzelrennen und frei einstellbare Versus-Partien ergänzen das Angebot.
Das endgültige Fahrerfeld umfasst 42 Figuren. Neben bekannten Teilnehmern wie Mario, Luigi, Peach, Bowser, Yoshi und Donkey Kong stehen Gastcharaktere aus Splatoon, The Legend of Zelda und Animal Crossing bereit. Der Booster-Streckenpass ergänzt Birdo, Mutant-Tyranha, Kamek, Wiggler, Diddy Kong, Funky Kong, Pauline und Peachette.
Die Figuren gehören unterschiedlichen Gewichtsklassen an. Leichte Fahrer beschleunigen schnell und lassen sich gut kontrollieren, werden bei Zusammenstößen aber leichter weggedrängt. Schwergewichte erreichen höhere Geschwindigkeiten, benötigen jedoch mehr Zeit zum Beschleunigen. Zusammen mit verschiedenen Karosserien, Reifen und Gleitern lassen sich zahlreiche Fahrzeuge zusammenstellen.
Die Unterschiede sind deutlich genug, um verschiedene Spielweisen zu unterstützen, ohne dass Gelegenheitsspieler zunächst lange Werte vergleichen müssen. Fahrzeugteile werden nach und nach durch gesammelte Münzen freigeschaltet. Da fast alle Fahrer und Strecken direkt verfügbar sind, fällt die klassische Freischaltjagd allerdings kleiner aus als in manchen Vorgängern.
Gameplay & Mechanik: Einfach losfahren, lange verbessern
Die grundlegende Steuerung ist schnell verstanden. Eine Taste beschleunigt, eine weitere setzt Gegenstände ein. Beim Halten der Schultertaste beginnt das Kart zu driften. Je länger ein sauberer Drift gehalten wird, desto stärker fällt der anschließende Turbo aus. Mario Kart 8 Deluxe ergänzt dabei eine dritte, lilafarbene Turbostufe für besonders lange Kurven.
Gerade diese Drifts verleihen dem Spiel seine Tiefe. Einsteiger können die Strecken problemlos mit einfachen Lenkbewegungen bewältigen. Erfahrene Fahrer suchen dagegen nach der engsten Linie, nutzen Rampen für Sprungturbos und halten ihre Driftladung möglichst lange aufrecht.
Auf Anti-Schwerkraft-Abschnitten drehen sich die Räder seitlich und die Karts fahren an Wänden oder über Decken. Zusammenstöße mit bestimmten Objekten und anderen Fahrern erzeugen dort einen kleinen Turbo. Unterwasserpassagen, Gleitflüge und wechselnde Untergründe verhindern zusätzlich, dass sich jede Strecke gleich anfühlt.
Für Anfänger stehen eine automatische Beschleunigung und die Schlau-Steuerung zur Verfügung. Letztere hält das Fahrzeug weitgehend auf der Strecke und verhindert viele Stürze. Dadurch können selbst unerfahrene oder sehr junge Spieler an einer Partie teilnehmen. Wer gezielt Abkürzungen nehmen und die stärkste Driftstufe verwenden möchte, sollte die Hilfe jedoch deaktivieren.
Neben Tastensteuerung wird auch das Lenken über Bewegungen unterstützt. Ein einzelner Joy-Con kann dafür wie ein kleines Lenkrad gehalten werden. Für lockere Familienrunden funktioniert das gut, die klassische Steuerung mit Analogstick bleibt aber präziser.
Zwei Gegenstände, doppeltes Chaos
Die Items gehören weiterhin zum Kern des Spiels. Bananen, Panzer und Bob-ombs bringen Gegner ins Schleudern, während Pilze, Sterne und Kugelwillis zurückliegende Fahrer unterstützen. Der Superhupe kann sogar ein heranfliegender Stachi-Panzer abgewehrt werden. Insgesamt stehen 23 Gegenstände zur Verfügung.
Anders als im Wii-U-Original können zwei Items gleichzeitig getragen werden. Das erhöht die taktischen Möglichkeiten. Eine Banane kann als Schutz hinter dem Kart bleiben, während im zweiten Feld bereits ein offensiver Gegenstand wartet. Doppelte Itemboxen füllen beide Plätze gleichzeitig.
Diese Änderung erhöht allerdings auch das Chaos. Besonders im Mittelfeld fliegen regelmäßig mehrere Panzer, Feuerbälle und Bumerangs gleichzeitig über die Strecke. Eine gute Linie und saubere Drifts bleiben wichtig, doch ein einziger unglücklicher Treffer kurz vor dem Ziel kann mehrere Positionen kosten.
Das gehört grundsätzlich zur Identität von Mario Kart. In seltenen Fällen entsteht trotzdem das Gefühl, dass ein beinahe perfektes Rennen innerhalb weniger Sekunden vollständig entwertet wird. Frei einstellbare Items schaffen etwas Abhilfe. Seit einem kostenlosen Update kann in Versus-, Kampf- und bestimmten Online-Modi festgelegt werden, welche Gegenstände überhaupt auftauchen dürfen.
96 Strecken aus mehreren Generationen
Das Grundspiel enthält 48 Kurse. Neue Strecken wie Marios Kartstadion, Toads Hafenstadt und Electrodrome stehen neben überarbeiteten Klassikern aus früheren Mario-Kart-Spielen. Hinzu kommen ungewöhnliche Crossover-Kurse aus The Legend of Zelda, Animal Crossing, Excitebike und F-Zero.
Viele Strecken gehören zu den kreativsten der Reihe. Big Blue besteht aus einer einzigen langen Abfahrt, Baby-Park schickt alle Fahrer auf sieben kurze Runden und Animal Crossing verändert abhängig von der Jahreszeit seine Umgebung. Die Anti-Schwerkraft wird dabei nicht nur als optischer Effekt eingesetzt, sondern ermöglicht verschlungene Streckenführungen.
Der kostenpflichtige Booster-Streckenpass ergänzt weitere 48 Kurse in zwölf Cups. Darunter befinden sich bekannte Strecken aus den SNES-, Nintendo-64-, GameCube-, Wii-, DS- und 3DS-Ablegern sowie mehrere Stadtkurse aus Mario Kart Tour. Auch neue Strecken wie Yoshis Eiland und Bad-Parcours gehören zum Paket.
Die Stadtkurse wechseln teilweise nach jeder Runde ihre Route. Dadurch lernt man während eines Rennens mehrere Straßen und Abzweigungen kennen. Einige frühe DLC-Strecken wirken bei Texturen, Beleuchtung und Umgebungsdetails jedoch einfacher als die aufwendigsten Kurse des Hauptspiels. Spielerisch gleichen die abwechslungsreichen Streckenführungen diesen Unterschied größtenteils aus.
Der Streckenpass kann einzeln gekauft oder über eine aktive Mitgliedschaft bei Nintendo Switch Online + Erweiterungspaket genutzt werden. In Online- und Freundesräumen reicht es teilweise aus, wenn der Gastgeber die Erweiterung besitzt.
Kampfmodus: Endlich wieder richtige Arenen
Der Kampfmodus wurde gegenüber der Wii-U-Fassung vollständig überarbeitet. Statt auf normalen Rennstrecken wird in acht eigens entworfenen Arenen gespielt. Fünf Varianten stehen bereit: Ballonschlacht, Bob-omb-Wurf, Münzenjäger, Insignien-Diebstahl und Räuber und Gendarm.
Besonders Räuber und Gendarm sorgt für spannende Teamrunden. Eine Gruppe jagt ihre Gegner mit Piranha-Pflanzen, während die andere Gefangene aus Käfigen befreien muss. Insignien-Diebstahl konzentriert sich dagegen darauf, einen Insignien-Stern möglichst lange zu halten.
Die Arenen sind kompakt genug, damit regelmäßig Begegnungen entstehen, bieten aber genügend Rampen, Ebenen und Fluchtwege. Dadurch ist der Kampfmodus mehr als eine kleine Zugabe und eignet sich hervorragend für kurze Runden abseits der Grand-Prix-Rennen.
Mehrspieler: Die eigentliche Königsdisziplin
An einer Konsole können bis zu vier Personen im geteilten Bildschirm antreten. Über lokale Drahtlosverbindungen sind bis zu acht und online bis zu zwölf Teilnehmer möglich. Online stehen weltweite und regionale Rennen, Freundesräume, Turniere sowie Kampfpartien zur Verfügung. Nintendo Switch Online wird dafür benötigt.
Der lokale Mehrspieler bleibt die größte Stärke. Die Regeln sind schnell erklärt und selbst deutliche Erfahrungsunterschiede werden durch Items und Fahrhilfen abgemildert. Mit drei oder vier Spielern sinkt die Bildrate allerdings auf 30 Bilder pro Sekunde und die kleineren Bildausschnitte erschweren die Übersicht.
Online läuft das Spiel meistens flüssig, gelegentliche Verzögerungen können Treffer aber uneindeutig erscheinen lassen. Positiv ist, dass inzwischen Räume über eine Kennnummer geöffnet werden können. Dadurch lassen sich Partien auch mit Spielern organisieren, die nicht in der eigenen Freundesliste stehen.
Noch immer auf der Ideallinie
Im TV-Modus wird Mario Kart 8 Deluxe mit bis zu 1080p dargestellt. Allein und zu zweit läuft das Spiel mit 60 Bildern pro Sekunde, im Handheld-Modus mit 720p. Figuren, Fahrzeuge und Strecken bleiben auch bei hoher Geschwindigkeit klar erkennbar.
Die künstlerische Gestaltung ist hervorragend gealtert. Lichter spiegeln sich auf nassen Straßen, Zuschauer bewegen sich am Streckenrand und zahlreiche kleine Animationen verleihen den Kursen Persönlichkeit. Auf Nintendo Switch 2 läuft die Switch-Fassung kompatibel, erhält aber keine eigene grafische Upgrade-Version.
Der Soundtrack verbindet bekannte Mario-Melodien mit neu arrangierten Stücken und vielen echten Instrumenten. Saxofone, Gitarren und Schlagzeug treiben die Rennen hörbar an. Mit dem finalen Booster-Update wurde außerdem ein Musikspieler ergänzt, über den die Streckenthemen direkt angehört werden können.
Fast ohne Ziellinie
Schon das Grundspiel bietet zwölf Cups, mehrere Geschwindigkeitsklassen, Zeitfahren, Versus-Rennen und fünf Kampfmodi. Mit Booster-Streckenpass wächst die Auswahl auf 96 Kurse und 42 Fahrer.
Solospieler können Goldpokale sammeln, Zeitfahrgeister besiegen und Fahrzeugteile freischalten. Eine richtige Karriere, Herausforderungen mit eigener Geschichte oder wechselnde Meisterschaften fehlen jedoch. Wer hauptsächlich allein spielt, hat die wichtigsten Inhalte irgendwann gesehen.
Der langfristige Wiederspielwert entsteht deshalb vor allem durch Mehrspielerpartien und die Verbesserung eigener Zeiten. Keine Runde verläuft exakt gleich, weil Fahrer, Gegenstände und Streckenereignisse immer wieder neue Situationen erzeugen.
Fazit
Mario Kart 8 Deluxe verbindet eine präzise Steuerung mit leicht verständlichen Regeln und kontrolliertem Chaos. Die abwechslungsreichen Strecken, zahlreichen Fahrzeugkombinationen und unterschiedlichen Geschwindigkeitsklassen sorgen dafür, dass sowohl Einsteiger als auch erfahrene Fahrer passende Herausforderungen finden.
Der überarbeitete Kampfmodus behebt eine der größten Schwächen der Wii-U-Fassung. Fahrhilfen öffnen das Spiel für jüngere Teilnehmer, während 200 ccm, Zeitfahren und anspruchsvolle Abkürzungen genügend Raum für Können lassen.
Mit dem Booster-Streckenpass erreicht der Umfang beeindruckende Ausmaße. Nicht jede zusätzliche Strecke besitzt dieselbe optische Detailfülle wie das Hauptspiel, die enorme Auswahl gleicht diese Unterschiede jedoch aus.
Schwach bleibt vor allem das Einzelspielerangebot. Eine richtige Kampagne oder größere Aufgaben abseits von Pokalen und Bestzeiten gibt es nicht. Wer regelmäßig mit Freunden oder online fährt, erhält dagegen ein Rennspiel, das auch Jahre nach seiner Veröffentlichung kaum an Unterhaltungswert verloren hat.