Nintendo Classics ist für Mario-Fans inzwischen eine umfangreiche und bequeme Sammlung – mit einem entscheidenden Haken: Wir bezahlen für den Zugang, nicht für einzelne Spiele, die ohne laufendes Abo nutzbar bleiben. Speicherpunkte, Rückspulen und nachgerüstetes Online-Spiel machen viele Klassiker angenehmer zugänglich als früher. Wer dagegen nur zwei oder drei Lieblingsspiele über Jahre behalten möchte, hatte mit der Virtual Console das passendere Kaufmodell.

Stand: 16. Oktober 2026. Preise beziehen sich auf Deutschland. Spielezahlen sind Katalogzählungen mit den jeweils genannten Regionen und Bedingungen.
Unsere Nintendo-Classics-Spieleübersicht versammelt die verfügbaren Titel aus dem Mario-, Donkey-Kong-, Yoshi- und Wario-Umfeld. Für dieses Zwischenfazit haben wir sie mit Nintendos aktuellem Angebot abgeglichen.
WiiWare, Virtual Console und eShop: Was vergleichen wir eigentlich?
WiiWare war keine Retro-Bibliothek. Dort erschienen neue Downloadspiele für Wii, etwa Dr. Mario & Bazillenjagd. Die alten NES-, SNES- und Nintendo-64-Spiele wurden im Wii-Shop-Kanal dagegen unter Virtual Console einzeln verkauft. WiiWare konnte Wii-Fernbedienung und Online-Funktionen gezielt einsetzen; solche Funktionen waren vom jeweiligen Spiel abhängig.
Auch der Nintendo-3DS-eShop war ein kompletter Laden: Er bot neue Downloadspiele, digitale Vollpreisspiele, DSiWare, Virtual Console und gesonderte 3D-Classics-Umsetzungen. Wer dessen gesamten Umfang mit Nintendo Classics vergleicht, zählt unterschiedliche Dinge zusammen. Für die Retro-Frage ist vor allem die Virtual Console auf 3DS und New Nintendo 3DS relevant.
Kosten: günstiger Einstieg gegen wiederkehrende Ausgaben
Die regulären Jahrespreise für Nintendo Switch Online betragen derzeit:
- 19,99 Euro einzeln / 34,99 Euro als Familie: Nintendo Switch Online mit NES, SNES und Game Boy einschließlich Game Boy Color.
- 39,99 Euro einzeln / 69,99 Euro als Familie: Nintendo Switch Online + Erweiterungspaket, zusätzlich unter anderem Nintendo 64, Game Boy Advance, SEGA Mega Drive und Virtual Boy. GameCube ist enthalten, aber ausschließlich auf Nintendo Switch 2 spielbar.
Eine Familienmitgliedschaft umfasst bis zu acht Nintendo-Accounts. Voll ausgelastet ergeben sich rechnerisch rund 4,37 beziehungsweise 8,75 Euro pro Person und Jahr. Das setzt eine entsprechend genutzte Familiengruppe voraus. Andere Abo-Leistungen sind im Preis ebenfalls enthalten; der gesamte Betrag lässt sich deshalb nicht ausschließlich den Retrospielen zurechnen.
Auf Wii zahltest Du bei der Virtual Console üblicherweise 500 Wii Points für ein NES-Spiel, 800 für SNES und 1.000 für Nintendo 64. Beim damaligen Richtwert von 20 Euro für 2.000 Points entsprach das ungefähr 5, 8 und 10 Euro. Importtitel und Sonderfälle konnten abweichen. WiiWare hatte eigene Einzelpreise; beispielsweise kostete World of Goo 1.500 Points, also rechnerisch etwa 15 Euro. Die damaligen Preise dokumentieren Nintendos Ankündigungen zur Virtual Console und zu Wii-Downloadspielen.
Auf 3DS lagen die regulären Preise beispielsweise bei 3,99 Euro für Super Mario Land und 4,99 Euro für Super Mario Bros. SNES-Spiele auf New Nintendo 3DS lagen häufig bei 7,99 Euro. Das waren Einzelkäufe; spätere Angebotsaktionen änderten daran nichts. Diese historischen Beispiele sind in Nintendos eShop-Jubiläumsangeboten mit den damaligen Normalpreisen festgehalten.
Was bedeutet das für Deine Spielgewohnheiten?
Fünf NES-Spiele zu je 4,99 Euro kosteten auf 3DS zusammen 24,95 Euro. Ein Jahr Nintendo Switch Online kostet mit 19,99 Euro weniger und öffnet zusätzlich viele andere Spiele. Nach fünf Jahren sind bei unverändertem Jahrespreis aber 99,95 Euro angefallen; beim Erweiterungspaket wären es 199,95 Euro. Die fünf früher gekauften Spiele benötigten dagegen kein fortlaufendes Retro-Abo. Das Beispiel vergleicht nominale Preise ohne Inflationsausgleich, Hardwarekosten und andere Abo-Leistungen.
Für wechselnde Entdeckungstouren ist das Abo attraktiv. Für wenige dauerhaft gespielte Favoriten war der Einzelkauf besser kalkulierbar. Wer ohnehin Nintendo Switch Online nutzt, hat bei den drei Basisbibliotheken keinen zusätzlichen Classics-Aufpreis. Der Wechsel zum Erweiterungspaket kostet bei der Jahres-Einzelmitgliedschaft weitere 20 Euro.
Spieleumfang: groß, aber kein vollständiges Nintendo-Archiv
Unsere Zählung der aktuell auf Nintendos deutschen Angebotsseiten aufgeführten Bibliotheken ergibt folgende Größenordnung. Ein Spiel wird pro Originalsystem einmal gezählt: NES- und GBA-Fassungen desselben Abenteuers sind getrennte Veröffentlichungen. Spezielle Speicherstandvarianten und zusätzliche Sprachfassungen zählen wir nicht noch einmal.
Als Grundlage dienen Nintendos aktuelle Classics-Bibliotheken, die eigene Nintendo-64-Mature-App und das SEGA-Mega-Drive-Angebot.
| Bibliothek | Anzahl | Zugang |
|---|---|---|
| NES | 87 | Basisabo |
| SNES | 77 | Basisabo |
| Game Boy / Game Boy Color | 46 | Basisabo |
| Nintendo 64 | 38 + 5 in der Mature-App | Erweiterungspaket |
| Game Boy Advance | 32 | Erweiterungspaket |
| Nintendo GameCube | 11 | Erweiterungspaket, Switch 2 |
| Virtual Boy | 16 | Erweiterungspaket, zusätzliches Zubehör |
| SEGA Mega Drive | 50 | Erweiterungspaket |
Damit stehen 210 Einträge im Basisabo und 362 einschließlich Erweiterungspaket, Mature-App und SEGA Mega Drive auf den geprüften deutschen Angebotsseiten. Elf davon sind die Switch-2-exklusiven GameCube-Spiele. Das ist eine datierte Katalogzählung, keine Aussage, dass jedes Spiel mit jedem Gerät und ohne Zubehör funktioniert. Insbesondere Virtual Boy benötigt zusätzlich das passende Zubehör. Die Bibliotheken wachsen; die Zahlen bilden den oben genannten Stand ab.
Zum historischen Vergleich: Die dokumentierten Wii-Virtual-Console-Listen nennen 395 Veröffentlichungen in der PAL-Region. Für die 3DS-Virtual-Console sind 199 PAL-Veröffentlichungen einschließlich zehn exklusiver GBA-Botschafter-Spiele erfasst. Diese zehn Spiele waren kein regulär kaufbares GBA-Sortiment. Außerdem umfassen die historischen Listen auch Veröffentlichungen, die zwischenzeitlich wieder entfernt wurden.
Für WiiWare sind 429 Spiele weltweit dokumentiert; das ist ausdrücklich keine deutsche oder europäische Katalogzahl. Der gesamte 3DS-eShop war durch Vollpreisspiele, DSiWare und eigenständige Downloads deutlich umfangreicher als seine Virtual Console. Aus diesen unterschiedlich abgegrenzten Zahlen lässt sich keine seriöse Rangliste „der größte Shop“ bilden.
Bei der Auswahl hatte Wii Stärken, die Nintendo Classics bis heute nicht vollständig ersetzt: etwa PC Engine, Neo Geo, Master System, Commodore 64 und bestimmte Arcade-Veröffentlichungen. Auf 3DS gab es unter anderem Game-Gear-Spiele und eigene 3D-Classics-Umsetzungen. Nintendo Classics bietet dafür GameCube und Virtual Boy sowie mehr Komfort in vielen älteren Spielen. Es ist ein kuratierter Katalog mit Lücken, kein automatischer Zugang zu allem, was Nintendo jemals verkauft hat.
Speichern und Zurückspulen: Der Komfort ist nicht überall gleich
- NES, SNES, Game Boy und Game Boy Advance: Nintendo Classics bietet zusätzliche Speicherpunkte und Rückspulen. Ein misslungener Sprung in Super Mario Bros. lässt sich damit unmittelbar korrigieren. Die ursprüngliche Speicherfunktion eines Spiels und ein frei gesetzter Speicherpunkt sind dabei zwei verschiedene Dinge.
- Nintendo 64: Speicherpunkte stehen auf Switch und Switch 2 bereit. Zurückspulen und CRT-Filter sind Switch-2-Funktionen. Die Tastenbelegung lässt sich auf beiden Konsolen individuell anpassen.
- GameCube: Die Switch-2-App bietet Speicherpunkte, anpassbare Steuerung, höhere Auflösung und Online-Mehrspieler in unterstützten Titeln. Eine allgemeine Rückspulfunktion wie in den 2D-Bibliotheken gehört nicht zum aktuell ausgewiesenen Funktionsumfang. Auch neue Texturen oder andere vollständige Remaster-Arbeiten solltest Du daraus nicht ableiten.
- Virtual Console auf Wii: Viele Titel konnten beim regulären Verlassen unterbrochen und später fortgesetzt werden. Das war kein frei wiederholt ladbarer Vorrat an Speicherständen vor beliebigen Fehlern; insbesondere Nintendo-64-Titel waren auf ihre eigenen Speicherfunktionen angewiesen. Eine allgemeine Rückspulfunktion gab es nicht.
- Virtual Console auf 3DS: Bei unterstützten Titeln gab es bereits einen zusätzlich anlegbaren Wiederherstellungspunkt, den Du wiederholt laden konntest. Neues Speichern überschrieb diesen einen Punkt. Rückspulen gehörte nicht zum allgemeinen Funktionsumfang. Die GBA-Botschafter-Spiele und einzelne andere Veröffentlichungen waren Ausnahmen bei den Komfortfunktionen.
- WiiWare und normale 3DS-eShop-Spiele: Gespeichert wurde nach den Regeln des jeweiligen Spiels. Diese Shops fügten keine universelle Speicherpunkt- oder Rückspulfunktion zu allen Downloads hinzu.
Auch bei Speicherpunkten gibt es Ausnahmen: Während einer Mehrspielerpartie in den Game-Boy- und GBA-Apps kannst Du keine Speicherpunkte anlegen oder laden. Nintendo erläutert diese Einschränkung in der Anleitung zu Speicherpunkten. Die Funktion ersetzt deshalb nicht in jeder Spielsituation das ursprüngliche Speichersystem.
Der Vorteil von Nintendo Classics liegt damit besonders beim schnellen Wiederholen schwieriger Passagen. Ein Wiederherstellungspunkt auf 3DS konnte etwas Ähnliches leisten, musste aber vorher bewusst angelegt werden. Beim Rückspulen entscheidest Du erst nach dem Fehler, an welcher Stelle Du weiterprobieren willst.
Mehrspieler, Bildschirm und Offline-Spiel
In unterstützten Classics-Spielen kannst Du mit Freunden lokal oder online spielen. Das macht beispielsweise Mario Kart 64 und Mario Party 2 auch über Distanz interessant. Es handelt sich jedoch nicht um ein pauschales Versprechen für jedes Spiel: Ein ursprünglicher Einzelspieler-Titel wird dadurch nicht automatisch zum Mehrspieler-Spiel. Auf Switch 2 ergänzt GameChat das gemeinsame Spielen.
WiiWare konnte schon damals eigene Online-Modi bieten, während die Wii Virtual Console grundsätzlich keinen allgemeinen Online-Mehrspieler nachrüstete. Auf 3DS unterstützten einzelne NES-Veröffentlichungen lokales Download-Spiel; Game-Boy-Link-Funktionen standen nicht allgemein zur Verfügung. Die Pokémon-Wiederveröffentlichungen bildeten besondere Ausnahmen. Auch die Hardware bot andere Möglichkeiten: Wii war auf den Fernseher ausgelegt, 3DS ein Handheld mit zwei Bildschirmen, Touch-Eingabe und je nach Modell stereoskopischer 3D-Darstellung. Letztere galt nicht automatisch für gewöhnliche Virtual-Console-Spiele.
Die Online-Modi richten sich an das Spielen mit Freunden; ein allgemeines Matchmaking mit zufälligen Mitspielern gehört nicht zum Angebot. Ob gemeinsames Spielen auf einer Konsole oder mehrere Geräte nötig sind, hängt von App und Spiel ab.
Auch die Eingabegeräte verdienen einen Blick: Für Mario Paint und Mario & Wario nutzt Du auf Switch 2 den Maus-Modus der Joy-Con 2, auf Switch ist eine kompatible USB-Maus erforderlich. Das kennzeichnet Nintendo direkt in der Spieleliste. Optionale Controller im Stil der Originalkonsolen können das Spielgefühl verbessern, sind aber keine pauschale Voraussetzung. Switch und Switch 2 verbinden Handheld- und TV-Betrieb; Switch Lite bleibt auf den Handheld-Modus beschränkt.
Nintendo Classics ist kein Cloud-Streaming: Die Apps und Spiele liegen auf der Konsole. Nach der Berechtigungsprüfung kannst Du auch ohne dauernde Verbindung spielen. Laut Nintendo-Support ist spätestens nach sieben aufeinanderfolgenden Offline-Tagen wieder eine Internetverbindung erforderlich. Für eine längere Reise solltest Du die Apps deshalb vorher aktualisieren und die Mitgliedschaft prüfen lassen.
Der größte Rückschritt bleibt die Bindung ans Abo
Frühere Einzelkäufe benötigten nach dem Herunterladen kein laufendes Classics-Abo. Sie waren trotzdem an Nintendos Geräte, Konten und technische Infrastruktur gebunden. Der Wii-Shop-Kanal beendete den Verkauf 2019, der 3DS-eShop im März 2023. Bereits installierte Spiele verschwanden dadurch nicht automatisch. Umgekehrt ist ein historischer Kauf heute kein Versprechen unbegrenzt verfügbarer neuer Downloads oder Online-Dienste.
Bei Nintendo Classics ist die laufende Mitgliedschaft dagegen Voraussetzung für den Zugriff. Kündigst Du oder lässt das Abo auslaufen, ersetzt der lokale Download keine gültige Berechtigung. Wer eine bestimmte Retro-Version unabhängig von einem Abonnement behalten möchte, kann diese Option innerhalb von Nintendo Classics nicht wählen. Eine Wahl zwischen Abo und Einzelkauf wäre aus Spielersicht die deutlich bessere Lösung.
Unser Zwischenfazit: stark zum Spielen, weniger überzeugend zum Sammeln
Nintendo Classics ist heute für viele Mario-Fans der bequemste Einstieg in Nintendos Vergangenheit. Ein überschaubarer Jahresbetrag öffnet zahlreiche Abenteuer, Rennspiele, RPGs und Ableger. Rückspulen senkt die Hürde bei schwierigen Klassikern, Speicherpunkte passen lange Spiele an kurze Sitzungen an und Online-Funktionen beleben ausgewählte Mehrspieler-Titel.
Das Erweiterungspaket überzeugt besonders dann, wenn Du Nintendo 64, GBA und auf Switch 2 auch GameCube tatsächlich nutzt. Für Super Mario Bros., Super Mario World und die Game-Boy-Abenteuer reicht das Basisabo. Virtual Boy ist eine interessante Ergänzung, wegen des erforderlichen Zubehörs aber kein Vorteil, den jeder Abonnent ohne weitere Ausgaben nutzen kann.
Gegenüber WiiWare fehlen die damaligen speziell für Wii entwickelten Downloadspiele; gegenüber Virtual Console fehlt vor allem die Wahl zum Einzelkauf. Gegenüber dem gesamten 3DS-eShop ist Nintendo Classics ohnehin nur ein Retro-Angebot. Unser Wunsch bleibt deshalb: weiter wachsende Bibliotheken, verlässlich dokumentierte Versionen und Funktionen – und eine Kaufoption für Lieblingsspiele neben dem Abo.
Welche Mario-Spiele Du aktuell im Angebot findest, siehst Du in unserer vollständig abgeglichenen Nintendo-Classics-Übersicht.