Eigentlich wollen Donkey Kong, Diddy, Dixie und Cranky nur einen Geburtstag feiern. Statt Kuchen und Geschenken erwartet die Kong-Familie jedoch ein Schneesturm, der ihre gesamte Heimat einfriert. Mit Donkey Kong Country: Tropical Freeze bringt Nintendo das ursprünglich für Wii U veröffentlichte Jump ’n’ Run auf die Nintendo Switch. Die Neuauflage verbessert Auflösung und Ladezeiten, ermöglicht das Spielen unterwegs und ergänzt mit Funky Kong einen leichteren Spielmodus. Neue Level oder Welten gibt es dagegen nicht.
Tropical Freeze ist deutlich anspruchsvoller als viele andere Nintendo-Plattformer. Donkey Kong bewegt sich schwerer als Mario, Hindernisse verlangen genaues Timing und bereits kleine Fehler können einen ganzen Versuch beenden. Hinter dem hohen Schwierigkeitsgrad steckt jedoch ein außergewöhnlich sorgfältiges Leveldesign, das ständig neue Ideen einführt und beinahe jede Umgebung mit Musik, Bewegung und spielerischen Mechaniken verbindet.
Die Viehkinger bringen den Winter
Während Donkey Kong seinen Geburtstag feiert, nähert sich eine Flotte arktischer Eindringlinge. Die sogenannten Viehkinger bestehen aus Pinguinen, Walrossen, Eulen und anderen Tieren, die sich wie Wikinger gekleidet haben. Ihr Anführer König Qual bläst in ein magisches Horn und entfesselt einen gewaltigen Schneesturm. Die Kong-Familie wird von ihrer Insel geschleudert, während die Eindringlinge deren Heimat in eine gefrorene Festung verwandeln.
Donkey Kong und seine Freunde müssen sich anschließend über mehrere Inseln zurück nach Hause kämpfen. Eine tiefgründige Handlung sollte man nicht erwarten. Die Geschichte wird fast ausschließlich über kurze, humorvolle Zwischensequenzen erzählt. Dialoge spielen keine Rolle, dennoch besitzen die Figuren durch ihre Bewegungen und Reaktionen viel Persönlichkeit.
Die Viehkinger sind abwechslungsreicher gestaltet als der Tiki-Tak-Stamm aus Donkey Kong Country Returns. Sie bevölkern die Level nicht nur als gewöhnliche Gegner, sondern tauchen auch in Hintergrundanimationen, Fahrzeugen und aufwendigen Bosskämpfen auf. König Qual selbst bleibt als Gegenspieler recht einfach, erfüllt seinen Zweck als Ziel der Reise aber zuverlässig.
Ein Gorilla mit ordentlich Gewicht
Tropical Freeze ist ein seitlich scrollendes Jump ’n’ Run, das zweidimensionale Spielmechaniken mit dreidimensionalen Kamerafahrten und Hintergründen verbindet. Donkey Kong kann springen, rollen, Gegner aufnehmen und auf den Boden trommeln. Dabei fühlt er sich bewusst schwerer an als Mario. Er benötigt etwas Zeit, um Geschwindigkeit aufzubauen, entwickelt während einer Rolle aber erheblichen Schwung.
Gerade am Anfang ist diese Bewegung gewöhnungsbedürftig. Ein Sprung lässt sich in der Luft weniger stark korrigieren, als man es von anderen Nintendo-Spielen kennt. Wer die Steuerung beherrscht, kann jedoch Rollen und Sprünge zu flüssigen Bewegungsfolgen verbinden. Viele Hindernisse sind genau darauf ausgelegt, das Tempo beizubehalten und Gegner als zusätzliche Absprungmöglichkeiten zu verwenden.
Im Einzelspielermodus wird grundsätzlich Donkey Kong gesteuert. Aus besonderen Fässern können Diddy, Dixie oder Cranky befreit werden. Der jeweilige Partner sitzt anschließend auf Donkey Kongs Rücken und verleiht ihm eine zusätzliche Fähigkeit.
Diddy Kong verwendet sein Raketenfass, um den Fall kurzzeitig abzubremsen und größere Abgründe zu überqueren. Dixie Kong erzeugt mit ihrem Pferdeschwanz einen kleinen Aufwärtsschub, durch den höher gelegene Plattformen erreicht werden. Cranky Kong benutzt seinen Gehstock wie einen Pogo-Stab. Damit springt er auf Stacheln und besiegt Gegner, die für Donkey Kong gefährlich wären.
Dixie erweist sich in vielen Situationen als besonders hilfreich, da ihr zusätzlicher Höhengewinn Fehler beim Springen ausgleichen kann. Cranky ist schwieriger zu kontrollieren, eröffnet aber alternative Wege. Die Partner dienen dadurch nicht nur als zusätzliche Lebensenergie, sondern verändern den Umgang mit den Leveln.
Füllt sich durch eingesammelte Bananen die Kong-POW-Anzeige, kann eine gemeinsame Spezialattacke ausgelöst werden. Alle sichtbaren Gegner verwandeln sich daraufhin in bestimmte Gegenstände. Der Effekt hängt vom aktuellen Partner ab: Diddy erzeugt zusätzliche Ballons, Dixie Herzen und Cranky Bananenmünzen.
Leveldesign, das ständig in Bewegung bleibt
Die einzelnen Level sind die größte Stärke des Spiels. Tropical Freeze verwendet seine Umgebungen nicht nur als Kulissen. Pflanzen, Tiere, Maschinen und Wetterbedingungen werden regelmäßig zu spielerischen Elementen.
In der Savanne biegen sich Bäume im Sturm, während Donkey Kong zwischen ihren Ästen springt. In einer anderen Stage ziehen Brände durch das Gelände und verändern sichere Wege. Loren rasen durch einstürzende Minen, Raketenfässer fliegen zwischen Hindernissen und manche Fässer schleudern die Kongs aus dem Vordergrund weit in die Tiefe des Bildes.
Besonders gelungen sind Level, deren Musik direkt mit den Bewegungen und Ereignissen verbunden ist. Glocken, Plattformen oder Gegner ergänzen beim Vorbeilaufen einzelne Klänge. Andere Stücke verändern ihre Instrumentierung, sobald neue Abschnitte erreicht werden. Dadurch wirken Level und Soundtrack wie Teile derselben Choreografie.
Auch Unterwasserabschnitte kehren zurück. Die Kongs können schwimmen und mit einer Drehattacke Gegner beseitigen. Da eine Sauerstoffanzeige regelmäßig aufgefüllt werden muss, entsteht zusätzlicher Zeitdruck. Die Steuerung unter Wasser fühlt sich etwas träger an als an Land, bleibt aber nachvollziehbar.
Nicht jeder Abschnitt trifft ins Schwarze. In Loren- und Raketenleveln führt eine Berührung häufig sofort zum Scheitern. Hindernisse tauchen teilweise so schnell auf, dass beim ersten Versuch kaum eine Reaktion möglich ist. Das anschließende Auswendiglernen gehört zum Spielprinzip, kann aber frustrieren.
Auch die Bosskämpfe ziehen sich stellenweise. Viele Gegner besitzen mehrere ähnliche Phasen und müssen ungewöhnlich oft getroffen werden. Die Präsentation ist stark, doch nach einem späten Fehler müssen bereits bekannte Angriffsmuster erneut durchlaufen werden.
Funky Kong nimmt der Kälte den Schrecken
Die wichtigste Neuerung der Switch-Version ist der Funky-Modus. Ein Spielstand muss zu Beginn entweder im Original- oder im Funky-Modus angelegt werden. Die Auswahl kann innerhalb dieses Spielstands später nicht mehr geändert werden.
Funky Kong besitzt fünf Herzen, kann doppelt springen, in der Luft schweben und unbegrenzt rollen. Sein Surfbrett schützt ihn im Stillstand vor Stacheln und unter Wasser muss er keine Luft holen. Zusätzlich darf er mehrere Hilfsgegenstände mitnehmen. Dadurch verzeiht das Spiel deutlich mehr Fehler.
Vollständig einfach wird Tropical Freeze dadurch nicht. Funky kann ungünstige Sprünge retten, doch bewegliche Plattformen, Abgründe und Raketenabschnitte verlangen weiterhin Aufmerksamkeit. Der Modus eignet sich deshalb gut für Einsteiger, ohne jeden Widerstand zu entfernen.
Im Funky-Modus darf alternativ weiterhin Donkey Kong verwendet werden. Dieser erhält dort ebenfalls zusätzliche Herzen und großzügigere Bedingungen. Wer das ursprüngliche Erlebnis sucht, sollte dagegen den Originalmodus wählen.
Gemeinsam durch den Dschungel
Lokal können zwei Spieler gemeinsam antreten. Eine Person übernimmt Donkey Kong, während die zweite Diddy, Dixie oder Cranky steuert. Beide Figuren bewegen sich unabhängig voneinander. Bei Bedarf kann der Partner auf Donkey Kongs Rücken springen und sich durch schwierige Abschnitte tragen lassen. Einen Online-Koop-Modus gibt es nicht.
Gemeinsam entstehen unterhaltsame Situationen, allerdings erhöht sich häufig auch die Schwierigkeit. Beide Spieler teilen sich den Bildausschnitt. Läuft eine Figur zu weit voraus, wird die andere zurückgesetzt oder verliert den Anschluss. Gerade bei schnellen Lorenfahrten und automatisch scrollenden Passagen kann ein einziger Fehler das gesamte Team gefährden.
Für ähnlich erfahrene Spieler funktioniert der Koop-Modus gut. Bei großen Unterschieden im Können ist es oft sinnvoller, wenn der zweite Kong auf Donkey Kongs Rücken mitreist.
Eine tropische Bilderbuchwelt
Die Switch-Version erhöht die Auflösung im TV-Modus von den 720p der Wii-U-Fassung auf 1080p. Im Handheld-Modus bleibt das Bild ebenfalls sauber. Die Darstellung läuft mit weitgehend stabilen 60 Bildern pro Sekunde, was bei den schnellen und präzisen Sprungpassagen besonders wichtig ist. Auch die Ladezeiten wurden gegenüber der ursprünglichen Veröffentlichung verkürzt.
Tropical Freeze ist trotz seines Alters weiterhin auffällig detailliert. Pflanzen bewegen sich im Wind, Tiere reagieren auf Donkey Kong und ganze Landschaften verändern sich während eines Levels. Übergänge zwischen Vorder- und Hintergrund werden durch flüssige Kamerafahrten unterstützt.
Der Soundtrack von David Wise gehört zu den Höhepunkten. Bekannte Melodien aus älteren Donkey-Kong-Country-Spielen treffen auf neue Stücke, die natürliche Geräusche, Percussion und wechselnde Instrumente miteinander verbinden. Die Musik passt sich häufig dem Levelverlauf an, anstatt lediglich im Hintergrund wiederholt zu werden.
Ein Paradies für Sammler
Die Reise führt durch sechs reguläre Inseln und eine freischaltbare geheime Welt. Neben den Hauptwegen warten alternative Ausgänge, besonders schwierige K-Level und zahlreiche versteckte Bereiche. In jedem normalen Abschnitt können die vier K-O-N-G-Buchstaben sowie mehrere Puzzleteile gesammelt werden.
Wer lediglich das Ende erreichen möchte, kann die Kampagne innerhalb weniger Spielabende abschließen. Das vollständige Sammeln aller Buchstaben, Puzzleteile und Artefakte verlängert die Spielzeit deutlich. Die K-Level gehören dabei zu den anspruchsvollsten Prüfungen des gesamten Abenteuers.
Nach dem vollständigen Abschluss wird der Extraschwer-Modus geöffnet. Dort kann jede Kong-Figur allein gespielt werden. Checkpoints und Partnerfässer verschwinden, während nur ein Herz zur Verfügung steht. Hinzu kommen Zeitangriffe mit Online-Ranglisten und Aufzeichnungen erfolgreicher Läufe.
Etwas enttäuschend sind die Bonusräume. Sie verlangen fast immer, innerhalb einer kurzen Frist sämtliche Bananen einzusammeln. Da sich Aufbau und Aufgabe häufig wiederholen, erreichen sie nicht die Kreativität der normalen Level.
Fazit
Donkey Kong Country: Tropical Freeze ist ein anspruchsvolles und außergewöhnlich sorgfältig gestaltetes Jump ’n’ Run. Die Level verbinden Bewegungen, Kulissen und Musik zu kleinen Inszenierungen, die beinahe ständig neue Ideen präsentieren. Donkey Kongs schweres Bewegungsgefühl benötigt etwas Eingewöhnung, entwickelt danach aber einen eigenen, belohnenden Rhythmus.
Diddy, Dixie und Cranky eröffnen unterschiedliche Lösungswege, während der Funky-Modus die größten Schwierigkeitsspitzen abmildert. Dadurch eignet sich die Switch-Fassung sowohl für erfahrene Plattformer als auch für Spieler, denen das Original zu streng war.
Schwächen zeigen sich bei einigen langen Bosskämpfen, wiederkehrenden Bonusräumen und hektischen Fahrzeugpassagen. Der Koop-Modus sorgt für zusätzliche Unterhaltung, kann schwierige Level aber unübersichtlicher machen.
Neue Inhalte bleiben abseits von Funky Kong aus. Besitzer der Wii-U-Version erhalten daher nur wenige Gründe für einen erneuten Kauf. Neueinsteiger bekommen auf der Switch jedoch die technisch beste und zugänglichste Fassung eines der stärksten 2D-Jump-’n’-Runs im Nintendo-Angebot.
Pro
- Präzise Steuerung mit eigenständigem Bewegungsgefühl
- Zahlreiche Geheimnisse und herausfordernde Zusatzlevel
- Ausdrucksstarke Grafik mit stabiler Bildrate
- Lokaler Koop-Modus für zwei Spieler
- Hoher Wiederspielwert durch Zeit- und Extraschwer-Modus
Contra
- Mehrere Bosskämpfe dauern zu lange
- Bonusräume wiederholen sich schnell
- Abseits von Funky Kong keine neuen Level oder Welten
- Modus eines Spielstands lässt sich später nicht wechseln