Mario Tennis Aces

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Mario Tennis Aces im Test – Wenn der Aufschlag zum Endgegner wird

Gesamtwertung 7

Positiv

  • Zugängliches, aber taktisch tiefes Tennissystem
  • 30 Figuren mit unterschiedlichen Spielstilen
  • Unterhaltsame lokale Einzel- und Doppelpartien
  • Ziel-, Trick- und Spezialschläge greifen gut ineinander

Negativ

  • Abenteuermodus fällt recht kurz aus
  • Spezialmechaniken können Einsteiger zunächst überfordern
  • Wenige langfristige Ziele für Einzelspieler
  • Einige Aufgaben müssen nach Fehlern vollständig wiederholt werden
  • Teilweise starke Schwierigkeitssprünge

Mario tauscht seine Sprungstiefel gegen Tennisschuhe und greift erneut zum Schläger. Mario Tennis Aces verbindet leicht verständliches Arcade-Tennis mit Spezialschlägen, einer Energieanzeige und überraschend anspruchsvollen Duellen. Neben klassischen Einzel- und Doppelpartien warten ein Abenteuermodus, Online-Turniere und eine Bewegungssteuerung nach dem Vorbild von Wii Sports.

Der Einstieg gelingt schnell: Topspin, Slice, gerader Schlag, Lob und Stoppball liegen auf wenigen Tasten. Hinter dieser zugänglichen Grundlage steckt jedoch ein taktisches System, bei dem Positionierung, Aufladezeit und der Umgang mit der eigenen Energie über den Sieg entscheiden. Geübte Spieler können beinahe unerreichbare Bälle retten, gezielte Schläge abwehren und sogar das Match durch die Zerstörung des gegnerischen Schlägers gewinnen.

Mario Tennis Aces ist deshalb deutlich mehr als eine bunte Sportsammlung. Besonders im Mehrspieler entwickelt sich das Spiel zu einem schnellen Duell, das stellenweise eher an ein Kampfspiel als an eine gewöhnliche Tennissimulation erinnert. Der Einzelspielerumfang kann mit dieser starken Grundlage allerdings nicht vollständig mithalten.

Ein verfluchter Tennisschläger

Nach einem Turnier im Marina-Stadion tauchen Wario und Waluigi mit einem geheimnisvollen Schläger namens Lucien auf. Luigi nimmt das vermeintliche Geschenk an sich und wird daraufhin von der Macht des Schlägers kontrolliert. Auch Wario und Waluigi geraten unter dessen Einfluss.

Mario reist gemeinsam mit Toad über eine Insel, um fünf Kraftsteine zu finden und Lucien aufzuhalten. Die Reise führt durch alte Ruinen, einen Wald voller Piranha-Pflanzen, ein Spukhaus, verschneite Berge und weitere thematische Gebiete. Dabei warten nicht nur normale Tennismatches, sondern auch Geschicklichkeitsaufgaben und Bosskämpfe.

Die Geschichte bleibt bewusst einfach. Ihre wichtigste Aufgabe besteht darin, die unterschiedlichen Plätze und Herausforderungen miteinander zu verbinden. Wario, Waluigi und der besessene Luigi sorgen für einige unterhaltsame Szenen, erhalten aber nur wenig Zeit, um den ungewöhnlichen Ausgangspunkt ausführlicher zu entwickeln.

Zum finalen Aufgebot gehören 30 spielbare Figuren. Neben Mario, Luigi, Peach, Daisy, Bowser und Yoshi stehen ungewöhnlichere Teilnehmer wie Kettenhund, Buu Huu, Kamek, Pauline, Luma, Boom Boom und eine Feuer-Piranha-Pflanze zur Auswahl. 16 Charaktere waren von Beginn an enthalten, 14 weitere kamen nach der Veröffentlichung kostenlos hinzu.

Die Figuren gehören verschiedenen Kategorien an. Kraftvolle Spieler schlagen besonders schnell, bewegen sich aber langsamer. Defensive Charaktere erreichen mit ihrer großen Reichweite weit entfernte Bälle, während trickreiche Teilnehmer ungewöhnlich stark gekrümmte Schläge ausführen. Dadurch fühlt sich ein Match mit Bowser deutlich anders an als eine Partie mit Toad oder Buu Huu.

Tennis mit Energieanzeige

Die grundlegende Steuerung ist schnell verstanden. Je nach Tasteneingabe spielt die Figur einen Topspin, Slice oder geraden Schlag. Kombinationen erzeugen hohe Lobs und kurze Stoppbälle. Wird eine Taste frühzeitig gehalten, lädt sich der nächste Schlag auf und gewinnt an Geschwindigkeit. Eine falsche Positionierung kann jedoch dazu führen, dass die Figur zu spät reagiert oder nur einen schwachen Ball zurückspielt.

Das eigentliche Herzstück ist die Energieanzeige. Sie füllt sich durch längere Ballwechsel, aufgeladene Schläge und erfolgreich ausgeführte Trickschläge. Ein Trickschlag lässt die Figur mit einer schnellen Bewegung zu einem weit entfernten Ball springen. Wird er im richtigen Moment eingesetzt, rettet er scheinbar verlorene Punkte und liefert zusätzliche Energie. Bei schlechtem Timing geht der Schlag dagegen ins Leere.

Mit ausreichend Energie kann die Zonen-Geschwindigkeit aktiviert werden. Die Umgebung bewegt sich dann in Zeitlupe, während die eigene Figur normal weiterläuft. Dadurch lassen sich Bälle erreichen, die unter gewöhnlichen Bedingungen bereits verloren wären. Da die Zeitlupe kontinuierlich Energie verbraucht, ist sie kein unbegrenzter Rettungsanker.

Erscheint ein Stern auf dem Platz, kann außerdem ein Zielschlag ausgeführt werden. Dabei wird die Zeit angehalten und die gewünschte Stelle auf der gegnerischen Seite anvisiert. Der Gegner kann den Ball zwar zurückschlagen, benötigt dafür aber sehr gutes Timing. Ein unsauberer Block beschädigt den Tennisschläger. Nach mehreren Treffern zerbricht er vollständig. Geht der letzte verfügbare Schläger verloren, endet das Match durch K. o.

Bei vollständig gefüllter Energieanzeige steht ein individueller Spezialschlag zur Verfügung. Die Figuren springen durch die Luft, drehen sich um den Ball oder feuern ihn mit gewaltiger Kraft auf die andere Platzhälfte. Auch diese Attacke kann geblockt werden. Dadurch bleibt selbst die stärkste Aktion konterbar und ein Match wird nicht allein durch das Füllen der Anzeige entschieden.

Anfangs wirkt die Zahl der Möglichkeiten beinahe überladen. Wer gerade erst Topspin und Slice unterscheiden kann, muss zusätzlich Energie, Trickschläge, Sternfelder und den Zustand der Schläger beobachten. Nach der Eingewöhnung greifen die Systeme aber überzeugend ineinander. Soll die Energie für einen Angriff verwendet oder für die Zonen-Geschwindigkeit aufbewahrt werden? Lohnt sich ein riskanter Block oder sollte man den Punkt abgeben, um den Schläger zu schützen? Diese Entscheidungen verleihen den Begegnungen ihre taktische Tiefe.

Wer auf Spezialfähigkeiten verzichten möchte, kann die einfachen Regeln auswählen. Energieanzeige, Zeitlupe, Zielschläge, Spezialattacken und beschädigte Schläger werden dabei abgeschaltet. Dann stehen Platzierung, Laufwege und die Auswahl des richtigen Schlages im Mittelpunkt. Gerade für neue Spieler oder einen schnellen Mehrspielerabend ist diese Variante hervorragend geeignet.

Abenteuer mit schwierigen Prüfungen

Der Abenteuermodus führt schrittweise an die verschiedenen Mechaniken heran. Neben normalen Begegnungen muss Mario Bälle durch Ringe schlagen, Ziele innerhalb eines Zeitlimits treffen oder einen Ballwechsel möglichst lange aufrechterhalten. In Bosskämpfen werden Tennisregeln mit Angriffsmustern und beweglichen Schwachstellen kombiniert.

Für erfolgreiche Aufgaben erhält Mario Erfahrungspunkte. Dadurch verbessern sich unter anderem seine Geschwindigkeit und Schlagkraft. Zusätzlich findet er neue Tennisschläger, die als weitere Versuche dienen, falls seine bisherige Ausrüstung zerstört wird.

Die unterschiedlichen Herausforderungen bringen Abwechslung, schwanken aber deutlich beim Schwierigkeitsgrad. Einige Aufgaben sind nach einem Versuch erledigt, während spätere Zeitlimits und Bosskämpfe kaum Fehler verzeihen. Verliert Mario, muss die Aufgabe vollständig wiederholt werden. Da nicht jede Prüfung einen schnellen Neustart bietet, entstehen gelegentlich unnötige Wartezeiten.

Nach wenigen Stunden ist die Reise beendet. Alternative Wege und zusätzliche Prüfungen bieten etwas mehr Beschäftigung, eine umfangreiche Rollenspielkampagne wie in den früheren Handheld-Ablegern sollte man aber nicht erwarten. Die Charakterentwicklung bleibt auf Mario beschränkt und bietet nur wenige eigene Entscheidungen.

Mehrspieler und Bewegungssteuerung

Lokal und online können bis zu vier Personen im Einzel oder Doppel antreten. Dabei stehen sowohl die normalen als auch die einfachen Regeln zur Verfügung. Gerade Doppelpartien erzeugen schnelle Ballwechsel, bei denen Absprache und Positionierung wichtiger werden als spektakuläre Spezialattacken. Für die Online-Funktionen wird Nintendo Switch Online benötigt.

Online-Turniere verbinden mehrere aufeinanderfolgende Begegnungen mit einem Rangsystem. Daneben können freie Partien mit Freunden gespielt werden. Die Qualität hängt stark von der jeweiligen Internetverbindung ab. Bereits kleine Verzögerungen fallen bei präzisen Blockversuchen und schnellen Richtungswechseln stärker auf als in einem langsameren Spiel.

Der Schwungmodus verwendet einen einzelnen Joy-Con wie einen Tennisschläger. Vorhand, Rückhand, Lob und Slice werden durch unterschiedliche Bewegungen ausgelöst. Für lockere Familienrunden ist das unterhaltsam, erreicht aber nicht die Präzision der normalen Tastensteuerung. Wer kontrolliert platzieren und auf hohem Niveau spielen möchte, greift besser zum klassischen Controller.

Ein sauberer Auftritt

Mario Tennis Aces präsentiert sich farbenfroh und übersichtlich. Die Figuren besitzen eigene Lauf-, Schlag- und Jubelanimationen. Besonders die Spezialschläge werden mit kurzen Kamerafahrten wirkungsvoll in Szene gesetzt. Trotz der Effekte bleibt normalerweise gut erkennbar, wo sich Ball und Spieler befinden.

Die verschiedenen Plätze greifen bekannte Elemente des Mario-Universums auf. Einige enthalten Spiegel, bewegliche Hindernisse oder andere Besonderheiten, die sich auf den Ballwechsel auswirken. Wer reines Tennis bevorzugt, kann solche Gefahren abschalten.

Technisch läuft das Spiel im lokalen Betrieb flüssig und eignet sich sowohl für den Fernseher als auch für den Handheld-Modus. Die Musik von Motoi Sakuraba begleitet die Partien mit schnellen, sportlichen Themen, bleibt neben den kräftigen Schlaggeräuschen und Figurenrufen aber meist im Hintergrund.

Stark mit Gegnern, dünn allein

Der Abenteuermodus beschäftigt nur wenige Stunden. Hinzu kommen CPU-Turniere, freie Partien, Ring-Herausforderungen sowie lokale und onlinebasierte Begegnungen. Die kostenlosen Updates haben die ursprüngliche Figurenauswahl deutlich erweitert und den langfristigen Umfang verbessert.

Trotzdem bleibt das Spiel stark vom Mehrspieler abhängig. Allein fehlen nach dem Abschluss der Geschichte größere Ziele, umfangreiche Freischaltungen oder eine frei konfigurierbare Karriere. Wer dagegen regelmäßig gegen Freunde oder online antritt, kann lange damit beschäftigt sein, Figuren, Schläge und Blocks zu meistern.

Fazit

Mario Tennis Aces besitzt eines der stärksten Tennissysteme der Reihe. Die Mischung aus klassischen Schlägen, Energieverwaltung, Zeitlupe und zerstörbaren Schlägern macht aus einem leicht zugänglichen Sportspiel ein überraschend taktisches Duell.

Die große Figurenauswahl und die einfachen Regeln sorgen dafür, dass sowohl Einsteiger als auch erfahrene Spieler eine passende Variante finden. Besonders lokal entfaltet das Spiel seinen Reiz: Ein knapp geblockter Spezialschlag oder ein Matchgewinn durch den letzten zerstörten Schläger sorgt regelmäßig für spannende Momente.

Weniger überzeugend ist das Angebot für Einzelspieler. Der Abenteuermodus präsentiert nette Ideen und kreative Bosse, bleibt aber kurz und wird durch ungleichmäßige Schwierigkeitssprünge ausgebremst. Auch nach den kostenlosen Updates fehlt eine dauerhaft motivierende Solokarriere.

Wer hauptsächlich allein spielt, erhält deshalb ein starkes Sportspiel mit begrenztem Rahmen. Für lokale und onlinebasierte Duelle ist Mario Tennis Aces dagegen eine gelungene Mischung aus Arcade-Spaß und taktischem Schlagabtausch.

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