Die Rabbids sind zurück und stürzen das Mario-Universum erneut ins Chaos. Nach dem überraschenden Strategieabenteuer Mario + Rabbids Kingdom Battle verlassen Mario, Rabbid-Peach und ihre Freunde diesmal das Pilz-Königreich. Mit einem Raumschiff reisen sie von Planet zu Planet, retten die geheimnisvollen Sparks und stellen sich der kosmischen Bedrohung Misera.
Mario + Rabbids Sparks of Hope ist jedoch keine einfache Fortsetzung. Ubisoft ersetzt das feste Kampfraster des Vorgängers durch freie Bewegung, öffnet die Oberwelten und erweitert die taktischen Möglichkeiten durch ausrüstbare Sparks. Das Ergebnis ist ein zugängliches Strategiespiel, das Einsteiger freundlich empfängt, erfahrenen Spielern aber genügend Raum für eigene Kombinationen lässt. Nur technisch und bei der Abwechslung der Nebenaufgaben erreicht die Reise nicht immer dieselbe Höhe wie ihre besten Kämpfe.
Story & Charaktere: Eine dunkle Macht greift nach den Sparks
Im Pilz-Königreich herrscht zunächst Frieden, bis seltsame Wesen aus dem Weltraum auftauchen. Die Sparks sind eine Mischung aus den Lumas aus Super Mario Galaxy und den Rabbids. Sie werden von Misera gejagt, einer mächtigen Kreatur, deren finsterer Einfluss ganze Planeten überzieht. Gleichzeitig ist Rosalina verschwunden.
Mario, Luigi, Peach und ihre Rabbid-Gegenstücke steigen deshalb in ein Raumschiff und brechen zu einer Reise durch die Galaxie auf. Unterwegs schließen sich ihnen neue Verbündete an. Edge kämpft mit einem großen Schwert, Rabbid-Rosalina begegnet fast jeder Gefahr mit demonstrativer Müdigkeit und sogar Bowser arbeitet vorübergehend mit seinen üblichen Gegnern zusammen, weil Misera seine Schergen kontrolliert.
Die Geschichte bleibt spoilerfrei betrachtet leicht verständlich, nimmt sich aber mehr Zeit für Figuren und Dialoge als der Vorgänger. Besonders Rabbid-Peach trägt mit ihrer Selbstinszenierung und ihren Kommentaren viele humorvolle Szenen. Gleichzeitig versucht die Handlung, kosmische Bedrohung und Rabbid-Unsinn miteinander zu verbinden. Das funktioniert meistens, auch wenn einige Gespräche länger ausfallen, als es für den nächsten Kampf notwendig wäre.
Kenntnisse aus Kingdom Battle sind nicht erforderlich. Wiederkehrende Figuren und Anspielungen belohnen Serienfans, alle wichtigen Zusammenhänge werden aber innerhalb des neuen Abenteuers erklärt.
Gameplay & Mechanik: Freiheit statt Schachbrett
Die wichtigste Neuerung zeigt sich bereits im ersten Gefecht. Sparks of Hope verabschiedet sich vom sichtbaren Raster. Innerhalb ihres Bewegungsbereichs können die Helden frei über das Schlachtfeld laufen, Deckungen prüfen und ihre Position verändern, solange noch keine Aktion den Zug endgültig festlegt. Dadurch fühlen sich die Begegnungen weniger wie ein Brettspiel und deutlich dynamischer an.
Ein Team besteht aus drei Helden, die aus insgesamt neun Figuren gewählt werden. Jeder Charakter besitzt eine eigene Waffe, Spezialfähigkeit und Rolle. Mario ist ein flexibler Angreifer, Luigi verursacht aus großer Entfernung besonders hohen Schaden und Peach schützt Verbündete mit Barrieren. Rabbid-Peach übernimmt die Heilung, Rabbid-Mario räumt im Nahkampf auf und Edge trifft mit ihrer Klinge mehrere Gegner. Bowser setzt dagegen auf kräftigen Flächenschaden.
Pro Runde stehen Angriffe, Spark-Kräfte und Spezialfähigkeiten zur Verfügung. Zusätzlich können Gegner durch eine Raserei gerammt, Verbündete für einen Teamsprung genutzt und explosive Bob-ombs aufgenommen werden. Gerade die Bewegung eröffnet starke Kombinationen: Ein Held kann zuerst einen Gegner rammen, sich von einem Partner auf eine erhöhte Position schleudern lassen und anschließend aus der Deckung angreifen.
Das System ist leicht verständlich, gewinnt durch unterschiedliche Missionsziele aber schnell an Tiefe. Manche Schlachten verlangen das Ausschalten aller Gegner, andere das Erreichen eines bestimmten Bereichs, das Überleben mehrerer Runden oder die Zerstörung besonderer Ziele. Vor einem Kampf lassen sich das gegnerische Team sowie dessen Schwächen und Widerstände untersuchen. Wer seine Aufstellung daran anpasst, kann schwierige Begegnungen erheblich vereinfachen.
Das Spiel erlaubt unterschiedliche Vorgehensweisen. Defensive Teams können sich gegenseitig schützen und heilen, während offensivere Gruppen versuchen, mehrere Gegner bereits in der ersten Runde auszuschalten. Die großzügigen Möglichkeiten führen allerdings dazu, dass viele normale Gefechte auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad relativ leicht ausfallen. Erst spätere Missionen und optionale Herausforderungen verlangen eine sorgfältig geplante Zusammenstellung.
Sparks sorgen für zusätzliche Taktik
Die namensgebenden Sparks bilden das zweite große Herzstück des Kampfsystems. Bis zu zwei der kleinen Begleiter lassen sich einem Helden zuweisen. Sie verleihen aktive Kräfte und passive Vorteile. Einige verstärken Angriffe mit Feuer, Eis oder Elektrizität, andere erhöhen die Verteidigung, locken Gegner an, machen den Träger unsichtbar oder verursachen Flächenschaden. Insgesamt können 30 Sparks gefunden und mit Sternenteilen verbessert werden.
Dadurch entstehen zahlreiche Kombinationen. Luigi profitiert beispielsweise von Kräften, die ihn bei Angriffen aus sicherer Entfernung unterstützen. Rabbid-Mario kann dagegen mit zusätzlichen Widerständen mitten in eine Gegnergruppe geschickt werden. Elementare Effekte sind besonders wirkungsvoll, wenn die Schwächen der Feinde vorher untersucht werden.
Sparks und Fähigkeiten lassen sich vor einem Gefecht neu verteilen. Auch investierte Fähigkeitspunkte können ohne größere Nachteile zurückgesetzt werden. Das lädt zum Experimentieren ein und verhindert, dass eine frühe Entscheidung das Team dauerhaft schwächt.
Das regelmäßige Aufwerten der Sparks wird mit zunehmendem Fortschritt allerdings etwas umständlich. Wer viele Begleiter verwendet, muss immer wieder Sternenteile verteilen und mehrere Menüs öffnen. Spielerisch bleibt das System stark, die Verwaltung hätte aber übersichtlicher ausfallen können.
Mehr Freiheit auf den Planeten
Die Planeten sind keine vollständig offenen Welten, sondern größere, frei erkundbare Gebiete. Neben der Hauptgeschichte warten Rätsel, optionale Kämpfe, versteckte Wege, Planetmünzen und kleine Aufträge der Bewohner. Neue Fähigkeiten des Roboterbegleiters Beep-0 öffnen später weitere Möglichkeiten.
Die Erkundung sorgt für angenehme Pausen zwischen den Gefechten. Jeder Planet besitzt eine eigene Stimmung und kleinere Geschichten. Gleichzeitig wiederholen sich manche Nebenaufgaben. Häufig müssen bestimmte Gegenstände gesucht, Gegnergruppen besiegt oder einfache Schalterrätsel gelöst werden.
Die Steuerung funktioniert mit Joy-Con und Pro Controller grundsätzlich zuverlässig. Im Kampf lässt sich der Bewegungsradius schnell überblicken und eine Taktikansicht zeigt das gesamte Feld. In engen Oberweltbereichen kann die Kamera jedoch unruhig werden. Auch das Wechseln zwischen Figuren, Sparks, Gegenständen und Talentbäumen führt durch mehrere Menüs, an die man sich zunächst gewöhnen muss.
Grafik & Sound: Farbenfrohe Planeten mit kleinen Kratzern
Jeder Planet besitzt ein klares Thema. Sonnige Strände, verschneite Berge, herbstliche Wälder und technische Anlagen unterscheiden sich deutlich voneinander. Die Rabbids fügen sich mit ihren übertriebenen Animationen überraschend gut in die Mario-Welt ein. Angriffe werden spektakulär inszeniert, ohne dass die Übersicht auf dem Schlachtfeld verloren geht.
Die Nintendo Switch erreicht dabei nicht immer eine vollkommen saubere Darstellung. Entfernte Objekte wirken teilweise unscharf, kleinere Ruckler treten vor allem bei der Erkundung auf und Ladebildschirme unterbrechen den Spielfluss häufiger als nötig. In den eigentlichen Kämpfen bleibt die Leistung meist stabil genug, sodass taktische Entscheidungen nicht unter den technischen Schwächen leiden.
Musikalisch fährt Sparks of Hope groß auf. Grant Kirkhope, Yoko Shimomura und Gareth Coker verbinden verspielte Rabbid-Melodien mit orchestralen Kampfthemen und ruhigeren Klängen für die einzelnen Planeten. Die Musik verleiht besonders den Bosskämpfen eine Größe, die man bei diesem ungewöhnlichen Crossover zunächst kaum erwarten würde. Teile des Soundtracks wurden mit einem Orchester in Japan aufgenommen.
Umfang & Wiederspielwert: Viel zu entdecken, aber nur allein
Für die Hauptgeschichte sollte man ungefähr 20 Stunden einplanen. Nebenmissionen, versteckte Sparks, Erinnerungen, Waffen-Skins und optionale Herausforderungen erhöhen den Umfang deutlich. Mehrere Schwierigkeitsgrade und anpassbare Hilfen machen das Abenteuer sowohl für Einsteiger als auch für erfahrene Taktikspieler zugänglich.
Im Gegensatz zu Kingdom Battle gibt es jedoch weder einen lokalen Koop-Modus noch Mehrspielergefechte. Sparks of Hope ist vollständig auf einen einzelnen Spieler ausgelegt. Gerade bei einem Teamspiel mit frei kombinierbaren Helden ist das schade, weil sich die Kämpfe gut für gemeinsame Planung angeboten hätten. Nintendo führt das Spiel ausdrücklich als Einzelspielertitel.
Zusätzliche Inhalte bietet der Season Pass mit drei Erweiterungen. The Tower of Doooom konzentriert sich auf wiederholbare Kampfserien mit wachsender Schwierigkeit. Die letzte Spark-Jägerin ergänzt mit Hortusmelodicus einen neuen Planeten und weitere Missionen. Rayman in der Phantom-Show bringt Rayman zurück und lässt ihn gemeinsam mit Rabbid-Mario und Rabbid-Peach durch verschiedene Fernsehkulissen kämpfen. Die Erweiterungen vergrößern das Abenteuer sinnvoll, gehören aber nicht zum Grundumfang.
Fazit
Mario + Rabbids Sparks of Hope ist eine selbstbewusste Fortsetzung, die beinahe jedes zentrale System des Vorgängers umbaut. Die freie Bewegung macht die rundenbasierten Gefechte schneller und verständlicher, ohne ihre taktische Tiefe zu verlieren. Neun unterschiedliche Helden und 30 Sparks ermöglichen zahlreiche Teams, Strategien und überraschend wirkungsvolle Kombinationen.
Auch außerhalb der Kämpfe hat die Galaxiereise mehr zu bieten. Die Planeten laden zum Erkunden ein, Nebenaufgaben sorgen für zusätzliche Belohnungen und die aufwendige Musik gibt dem Abenteuer eine eigene Identität. Schwächen zeigen sich bei wiederkehrenden Aufgaben, vereinzelten Kameraproblemen und den teilweise langen Ladezeiten.
Besonders bedauerlich ist der vollständige Verzicht auf einen Mehrspielermodus. Wer ein gemeinsames Strategieabenteuer wie im Vorgänger erwartet, kann die Kampagne nur allein erleben. Als Solospiel überzeugt Sparks of Hope dennoch mit einem der flexibelsten und unterhaltsamsten Kampfsysteme im Mario-Universum.
Für Mario-Fans, die sich auf rundenbasierte Strategie einlassen möchten, ist die Reise ebenso geeignet wie für Genre-Einsteiger. Sparks of Hope erklärt seine Mechaniken verständlich und entwickelt daraus ein farbenfrohes Weltraumabenteuer, das deutlich mehr ist als ein verrücktes Treffen zwischen Klempnern und Hasen.