Mario & Luigi: Abenteuer Bowser + Bowser Jr.s Reise

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Mario & Luigi: Abenteuer Bowser + Bowser Jr.s Reise im Test – Der Koopa-König hat Bauchschmerzen

Gesamtwertung 8,5

Positiv

  • Kreatives Zusammenspiel zwischen Bowser und den Brüdern
  • Humorvolle Geschichte mit starken Figuren
  • Zusätzliche Kampagne rund um Bowser Jr.

Negativ

  • In der Zusatzkampagne fehlt direkte Kontrolle
  • Kein stereoskopischer 3D-Effekt
  • Für Besitzer des Originals nur wenige grundlegende Neuerungen
  • Normaler Schwierigkeitsgrad über weite Strecken niedrig

Bowser entführt Prinzessin Peach, Mario eilt zur Rettung und Luigi stolpert irgendwie hinterher. Normalerweise sind die Rollen im Pilz-Königreich klar verteilt. Mario & Luigi: Abenteuer Bowser + Bowser Jr.s Reise stellt diese bekannte Ordnung jedoch vollständig auf den Kopf: Mario und Luigi landen im Körper ihres Erzfeindes, während Bowser selbst zum spielbaren Helden wird.

Das Nintendo-3DS-Spiel ist eine überarbeitete Neuauflage des gleichnamigen Nintendo-DS-Abenteuers aus dem Jahr 2009. Neue Grafiken, überarbeitete Musik, Komfortverbesserungen und die zusätzliche Kampagne Bowser Jr.s Reise sollen den Rollenspielklassiker modernisieren, ohne seine ungewöhnliche Grundidee zu verändern. Die europäische Fassung erschien am 25. Januar 2019.

Das Ergebnis ist eines der kreativsten Abenteuer der Mario-&-Luigi-Reihe. Besonders das Zusammenspiel zwischen den Brüdern und Bowser sorgt für abwechslungsreiche Rätsel und unterhaltsame Kämpfe. Die neue Nebenkampagne kann mit der Qualität des Hauptspiels allerdings nicht vollständig mithalten.

Krankfried greift nach dem Pilz-Königreich

Im Pilz-Königreich breitet sich eine rätselhafte Krankheit namens Metabowlie aus. Betroffene Toads blähen sich zu großen Kugeln auf und können sich kaum noch bewegen. Prinzessin Peach beruft deshalb eine Krisensitzung ein, an der auch Mario, Luigi, Toadsworth und Glitzerstern teilnehmen.

Bowser erscheint ebenfalls im Schloss, wird nach einem kurzen Kampf jedoch hinausgeworfen. Wenig später begegnet er einem geheimnisvollen Händler, der ihm einen angeblichen Glückspilz anbietet. Tatsächlich handelt es sich um eine Falle von Krankfried. Der Pilz sorgt dafür, dass Bowser alles in seiner Umgebung einsaugt – darunter Mario, Luigi, Peach und zahlreiche Toads.

Während Bowser bewusstlos ist, übernimmt Krankfried das Pilz-Königreich und besetzt die Festungen seiner Gegner. Mario und Luigi erwachen unterdessen im Inneren des Koopa-Königs. Gemeinsam mit Glitzerstern versuchen sie, Bowser von innen zu unterstützen, ohne ihm zu verraten, wer sich tatsächlich in seinem Körper befindet.

Die Handlung lebt weniger von großen Überraschungen als von ihren Figuren. Bowser hält sich selbst für den wichtigsten und stärksten Bewohner des gesamten Königreichs. Er hilft anderen meist nur dann, wenn eine Belohnung wartet oder seine eigene Ehre verletzt wurde. Gerade diese Mischung aus Größenwahn, Wut und unfreiwilligem Heldentum macht ihn zum eigentlichen Star des Abenteuers.

Auch Krankfried erhält deutlich mehr Raum als in seinem ersten Auftritt. Seine ungewöhnlichen Formulierungen und übertriebenen Pläne passen hervorragend zum Humor der Reihe. Mario bleibt der entschlossene Held, während Luigi regelmäßig mit seinen Ängsten, Missgeschicken und übertriebenen Reaktionen für zusätzliche Lacher sorgt.

Zwei Abenteuer in einem Körper

Das Spiel wechselt regelmäßig zwischen Mario und Luigi im Inneren von Bowser sowie dem Koopa-König in der Außenwelt. Die Brüder erkunden zweidimensionale Körperbereiche, springen über Hindernisse und lösen kleinere Rätsel. Bowser bewegt sich dagegen aus einer schrägen Draufsicht durch Wälder, Strände, Höhlen und Festungen.

Beide Ebenen beeinflussen sich gegenseitig. Trinkt Bowser eine große Menge Wasser, werden bestimmte Körperbereiche überflutet. Muss er einen schweren Gegenstand anheben, stärken Mario und Luigi in einem kurzen Rhythmusspiel seine Armmuskeln. An anderer Stelle unterstützen sie seine Verdauung oder reizen Nerven, damit Bowser eine neue Fähigkeit einsetzen kann.

Diese Zusammenarbeit gehört zu den größten Stärken des Spiels. Eigentlich befinden sich die drei Figuren nie gemeinsam in einem Raum. Trotzdem entsteht das Gefühl, dass Mario, Luigi und Bowser als ungewöhnliches Team zusammenarbeiten. Eine Aktion auf dem oberen Bildschirm verändert häufig die Situation auf dem unteren und umgekehrt.

Die Erkundung wird durch neue Fähigkeiten erweitert. Mario und Luigi erhalten im Verlauf unter anderem ihre Hämmer und können sich gemeinsam durch enge Bereiche bewegen. Bowser schlägt Felsen sowie andere Hindernisse mit seinen Fäusten ein und verbrennt Pflanzen mit seinem Feueratem. Bereits besuchte Orte enthalten deshalb später neue Wege und Geheimnisse.

Der Aufbau bleibt allerdings weitgehend linear. Das Spiel führt seine Figuren normalerweise zum nächsten Ziel und bietet nur wenige größere Nebenaufgaben. Durch versteckte Bohnen, Ausrüstung, Attackenteile und die Suche nach 15 Blockatzen gibt es dennoch gute Gründe, bekannte Gebiete erneut zu untersuchen.

Rundenkämpfe mit vollem Körpereinsatz

Das Kampfsystem ist rundenbasiert, verlangt aber bei fast jeder Aktion eine zusätzliche Eingabe. Mario greift über die A-Taste an, Luigi reagiert auf B und Bowser verwendet hauptsächlich X. In der Neuauflage lässt Y beide Brüder gleichzeitig springen, was die Erkundung einiger Abschnitte angenehmer macht.

Mit richtigem Timing verursachen Sprünge, Hammerschläge und Bowsers Faustangriffe zusätzlichen Schaden. Auch während der gegnerischen Runde bleibt man aktiv. Mario und Luigi können über Attacken springen oder sie mit ihren Hämmern zurückschlagen. Bowser schützt sich mit seinem Panzer, schlägt Geschosse zurück oder wehrt Angreifer mit seinen Fäusten ab.

Die Gegner verraten durch kleine Animationen, wen sie angreifen und aus welcher Richtung die Attacke kommt. Dadurch wird jede Begegnung zu einem kurzen Reaktionstest. Wer die Bewegungsmuster beherrscht, kann selbst mächtige Angriffe vollständig vermeiden oder direkt kontern.

Mario und Luigi verwenden außerdem aufwendige Paarattacken. Dafür werden spezielle Punkte verbraucht und mehrere Eingaben hintereinander verlangt. Bowser ruft dagegen seine Schergen. Shy Guys schleudern ihn über das Schlachtfeld, Koopas werden wie Panzer eingesetzt und Kameks lassen Feuerbälle auf die Gegner regnen.

Einige Attacken nutzen weiterhin den Touchscreen. Vor ihrer Verwendung können sie in der Neuauflage geübt werden, ohne Punkte zu verbrauchen. Zwischensequenzen und langsamere Passagen lassen sich zudem beschleunigen. Diese kleinen Änderungen machen das Abenteuer zugänglicher, ohne das Kampfsystem grundlegend zu vereinfachen.

Der Schwierigkeitsgrad bleibt über weite Strecken moderat. Wer das Timing gut beherrscht und regelmäßig neue Ausrüstung kauft, wird von normalen Gegnern nur selten aufgehalten. Spätere Bosse verlangen deutlich mehr Aufmerksamkeit, insgesamt hätte die Neuauflage aber von einer zusätzlichen schweren Einstellung profitiert.

Bowser wird zum Giganten

An bestimmten Punkten wird Bowser auf die Größe eines ganzen Schlosses gebracht. Für diese Riesenkämpfe wird der Nintendo 3DS seitlich wie ein Buch gehalten. Über den Touchscreen führt Bowser Schläge aus, wehrt Angriffe ab und schleudert riesige Gegner durch die Umgebung. Das Mikrofon des DS-Originals wurde in der Neuauflage teilweise durch Tasteneingaben ersetzt.

Diese Kämpfe sind spektakulär inszeniert und sorgen für Abwechslung. Die riesigen Figuren werden in der Neuauflage als vollständige 3D-Modelle dargestellt. Spielerisch bleiben die Begegnungen jedoch stärker vorgegeben als die normalen Kämpfe. Längere Animationen und Touchscreen-Eingaben können sich bei wiederholten Versuchen etwas ziehen.

Bowser Jr.s Reise: Taktik mit wenig Kontrolle

Die größte neue Ergänzung ist Bowser Jr.s Reise. Die Kampagne kann direkt über das Hauptmenü gestartet werden und läuft parallel zur eigentlichen Handlung. Bowser Jr. sucht gemeinsam mit den Koopalingen und Kamek nach einem Mittel gegen die Metabowlie. Dabei muss er lernen, dass der Sohn des Königs nicht automatisch ein guter Anführer ist.

Spielerisch unterscheidet sich der Modus stark vom Hauptabenteuer. Vor einer Mission wird ein Trupp aus Bowser-Schergen zusammengestellt. Die Einheiten gehören zu den Kategorien Stürmer, Schütze oder Flieger und folgen einem Schere-Stein-Papier-System. Stürmer schlagen Schützen, Schützen sind stark gegen Flieger und Flieger besitzen Vorteile gegen Stürmer.

Die eigentlichen Kämpfe laufen größtenteils automatisch ab. Der Spieler entscheidet über Aufstellung, Formation und bestimmte Kommandos. Im richtigen Moment können Spezialangriffe verstärkt, gegnerische Aktionen unterbrochen oder die eigenen Truppen unterstützt werden. Neue Schergen steigen im Level auf und zusätzliche Formationen verleihen Statusboni.

Die Vorbereitung besitzt interessante taktische Ansätze. Während des Kampfes fehlt jedoch häufig die direkte Kontrolle. Über längere Zeit schaut man den Einheiten hauptsächlich beim automatischen Angriff zu und wartet auf die nächste Eingabe. Da viele Missionen ähnlich ablaufen, entstehen schneller Wiederholungen als im Hauptspiel.

Erzählerisch ist die Nebenkampagne deutlich stärker. Bowser Jr. entwickelt sich vom verwöhnten Unruhestifter zu einem Anführer, der Verantwortung für seine Truppen übernimmt. Die Beziehung zu Bowser und den Koopalingen verleiht dem jungen Koopa mehr Persönlichkeit, als er in vielen anderen Mario-Spielen zeigen darf.

Neue Farben für Bowsers Innereien

Die Neuauflage ersetzt die Pixelgrafik des DS-Originals durch detailliertere Figuren, Hintergründe und Lichteffekte. Mario, Luigi und Bowser besitzen ausdrucksstarke Animationen, die den körperlichen Humor der Geschichte wirkungsvoll unterstützen. Die Organe und Körperbereiche wirken lebendig, ohne ihren comicartigen Stil zu verlieren.

Auf stereoskopisches 3D verzichtet das Spiel trotz seiner Veröffentlichung für Nintendo 3DS. Das ist kein spielerisches Problem, wirkt bei einer speziell für das System entwickelten Neuauflage aber wie eine verpasste Gelegenheit.

Der Soundtrack von Yoko Shimomura wurde neu arrangiert. Die bekannten Melodien klingen voller und passen sich gut an die modernisierte Präsentation an. Kurze Ausrufe von Mario, Luigi und Bowser sorgen zusätzlich für Persönlichkeit. Eine vollständige Sprachausgabe gibt es nicht.

Zwei Reisen mit unterschiedlicher Stärke

Für das Hauptabenteuer sollten ungefähr 20 Stunden eingeplant werden. Wer sämtliche Attackenteile, Blockatzen, Bohnen und Ausrüstungsgegenstände sucht, wird länger beschäftigt. Bowser Jr.s Reise ergänzt weitere Missionen sowie eigene Erfolge, Einheiten und Formationen. Je nach Spielweise kann das Gesamtpaket einen Umfang von deutlich mehr als 20 Stunden erreichen.

Der Wiederspielwert bleibt trotzdem begrenzt. Die Hauptgeschichte verläuft linear und verändert sich bei einem zweiten Durchgang nicht. Zusätzliche Motivation entsteht vor allem durch das vollständige Sammeln aller Geheimnisse und durch optionale Kampfherausforderungen.

Fazit

Mario & Luigi: Abenteuer Bowser + Bowser Jr.s Reise ist eine liebevoll modernisierte Fassung eines besonders einfallsreichen Mario-Rollenspiels. Der Wechsel zwischen Bowsers Außenwelt und seinem eigenen Körper funktioniert auch heute noch hervorragend. Rätsel, Minispiele und rundenbasierte Kämpfe greifen immer wieder ineinander und sorgen dafür, dass sich die Reise nur selten auf eine einzige Mechanik verlässt.

Besonders Bowser profitiert von seiner Hauptrolle. Seine gewaltigen Faustschläge, sein Feueratem und seine maßlose Selbstüberschätzung machen ihn spielerisch wie erzählerisch zum Höhepunkt. Mario und Luigi ergänzen das Abenteuer mit ihrem aktiven Kampfsystem und zahlreichen humorvollen Animationen.

Die neue Grafik, der überarbeitete Soundtrack und die Komfortfunktionen machen die 3DS-Version zum angenehmsten Einstieg. Besitzer des DS-Originals erhalten abseits der Präsentation allerdings nur wenige grundlegende Änderungen.

Bowser Jr.s Reise erzählt eine sympathische Zusatzgeschichte, bleibt spielerisch aber hinter der Hauptkampagne zurück. Die automatische Truppensteuerung führt zu wiederkehrenden Kämpfen, bei denen man häufig mehr zusieht als selbst handelt.

Für Neueinsteiger und Fans von Mario-Rollenspielen ist das Gesamtpaket dennoch sehr empfehlenswert. Wer das Original bereits kennt, sollte vor allem entscheiden, ob die neue Präsentation und Bowser Jr.s Nebengeschichte für eine weitere Reise durch Bowsers Bauch ausreichen.

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