Super Mario Maker 2

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Super Mario Maker 2 im Test – Das Pilz-Königreich wird zur Baustelle

Gesamtwertung 8

Positiv

  • Umfangreicher und leicht zugänglicher Level-Editor
  • Fünf Spielstile mit unterschiedlichen Mechaniken
  • Zahlreiche Gegner, Gegenstände und Bedingungen
  • Mehr als 100 Nintendo-Level im Storymodus
  • Welt-Editor für Abenteuer mit bis zu 40 Leveln

Negativ

  • Qualität der Community-Level schwankt deutlich
  • Super-Mario-3D-World-Stil ist nicht frei mit den anderen Stilen kombinierbar
  • Editor am Fernseher umständlicher als per Touchscreen
  • Storymodus wirkt eher wie eine Auftragssammlung
  • Mehrspieler funktioniert nicht mit jedem Level gut

Helm aufsetzen, Werkzeuggürtel anlegen und losbauen: Super Mario Maker 2 überlässt das Leveldesign erneut den Spielern. Auf der Nintendo Switch können eigene 2D-Mario-Abenteuer erstellt, ausprobiert und mit der ganzen Welt geteilt werden. Wer keine Freude am Bauen hat, findet im Storymodus und in den Kreationen der Community trotzdem eine nahezu unerschöpfliche Auswahl an Jump-’n’-Run-Herausforderungen.

Im Vergleich zum Wii-U-Vorgänger erweitert Nintendo den Baukasten um neue Gegner, Bedingungen, Themen und den Spielstil von Super Mario 3D World. Nach der Veröffentlichung kamen außerdem der Welt-Editor, zusätzliche Verwandlungen, Link als spielbare Figur und neue Mehrspielerfunktionen hinzu. Dadurch ist Super Mario Maker 2 heute deutlich umfangreicher als zum ursprünglichen Verkaufsstart.

Das Spiel kann dabei vieles sein: ein klassisches Mario-Abenteuer, eine Sammlung besonders schwieriger Präzisionslevel, ein Rätselspiel oder ein chaotischer Mehrspielertitel. Diese Freiheit ist seine größte Stärke. Sie führt allerdings auch dazu, dass die Qualität der angebotenen Level stark schwankt.

Peach braucht ein neues Schloss

Der Storymodus beginnt mit einem kleinen Unglück. Prinzessin Peachs frisch errichtetes Schloss wird vollständig zerstört und muss von Grund auf neu aufgebaut werden. Mario nimmt deshalb verschiedene Aufträge an, verdient Münzen und finanziert damit nach und nach neue Teile des Gebäudes.

Eine tiefgründige Handlung sollte man nicht erwarten. Toadette verwaltet die Baustelle, während bekannte und neue Figuren Mario mit zusätzlichen Aufgaben versorgen. Die kurzen Dialoge setzen auf den typischen Nintendo-Humor und geben der Sammlung aus mehr als 100 Leveln einen einfachen Rahmen.

Die Geschichte ist vor allem für Spieler wichtig, die nicht sofort selbst zum Baumeister werden möchten. Nintendos Level demonstrieren zahlreiche Möglichkeiten des Editors. Mal muss Mario ein Ziel erreichen, ohne den Boden zu verlassen, mal bestimmte Gegner besiegen oder eine Strecke mit einem ungewöhnlichen Gegenstand bewältigen.

Dadurch funktioniert der Storymodus gleichzeitig als Kampagne und Ideenbuch. Die einzelnen Aufgaben sind abwechslungsreich, bilden aber kein klassisches Mario-Abenteuer mit zusammenhängenden Welten. Statt über eine große Karte zu reisen, wählt Mario seine Aufträge überwiegend aus einer Liste aus.

Je nach Können und dem Umfang der Nebenaufgaben beschäftigt der Wiederaufbau ungefähr acht bis zwölf Stunden. Nicht alle angebotenen Missionen werden für das Ende benötigt. Wer wirklich jeden Auftrag abschließt und alle Bereiche rund um das Schloss untersucht, erhält zusätzliche Herausforderungen und kleinere Belohnungen.

Mario nach eigenen Regeln

Im Zentrum steht der Level-Editor. Spieler wählen einen Grafikstil, ein Thema und die gewünschte Länge des Abschnitts. Anschließend werden Böden gezeichnet, Gegner platziert, Röhren verbunden und Gegenstände verteilt. Zwischen Bau- und Testmodus kann jederzeit gewechselt werden.

Zur Auswahl stehen die Stile von Super Mario Bros., Super Mario Bros. 3, Super Mario World, New Super Mario Bros. U und Super Mario 3D World. Die ersten vier Varianten teilen viele Bauteile und können vergleichsweise einfach gewechselt werden. Super Mario 3D World verwendet dagegen zahlreiche exklusive Elemente und bildet einen getrennten Bereich des Editors. Ein Wechsel zu diesem Stil setzt den bisherigen Levelaufbau zurück.

Die Spielstile verändern mehr als nur die Grafik. Mario besitzt jeweils andere Fähigkeiten und Verwandlungen. In Super Mario World kann er beispielsweise mit dem Cape durch die Luft gleiten, während New Super Mario Bros. U Wandsprünge und Drehbewegungen ermöglicht. Der 3D-World-Stil ergänzt Katzen-Mario, durchsichtige Röhren, Koopa-Autos und Gegner, die innerhalb der zweidimensionalen Level stärker mit dem Raum spielen.

Auch bei den Kulissen gibt es reichlich Auswahl. Neben Boden-, Höhlen-, Unterwasser-, Geisterhaus-, Luftschiff- und Schlossabschnitten stehen Wüste, Schnee, Wald und Himmel zur Verfügung. Viele Themen besitzen Nachtvarianten, die zusätzliche Effekte aktivieren. Dann verändert sich beispielsweise die Schwerkraft oder das Verhalten bestimmter Gegner.

Neue Elemente wie Schrägen, Wippen, Greifklauen, Schlangenblöcke und An/Aus-Schalter ermöglichen deutlich komplexere Konstruktionen als im ersten Super Mario Maker. Gegner können vergrößert, mit Flügeln ausgestattet, in Fahrzeuge gesetzt oder aufeinander gestapelt werden. Selbst einfache Bauteile entwickeln durch ungewöhnliche Kombinationen überraschende Funktionen.

Zusätzlich lassen sich Bedingungen für das Erreichen des Ziels festlegen. Mario muss dann beispielsweise eine bestimmte Anzahl Münzen sammeln, ausgewählte Gegner besiegen oder das Ziel in einer bestimmten Verwandlung erreichen. Diese Regeln eignen sich besonders gut für Rätsel, Sammelaufgaben und kleinere Bosskämpfe.

Der Einstieg gelingt schnell. Bauteile können aus übersichtlichen Menüs gewählt und unmittelbar im Level platziert werden. Trotzdem benötigt ein wirklich guter Abschnitt mehr als möglichst viele Gegner und Fallen. Laufwege, Sichtbarkeit, Schwierigkeitskurve und faire Kontrollpunkte müssen beim Bauen berücksichtigt werden.

Dabei hilft der sofortige Wechsel in den Testmodus. Mario kann an einer beliebigen Position eingesetzt werden, um einzelne Passagen zu prüfen. Vor dem Hochladen muss der gesamte Level außerdem erfolgreich abgeschlossen werden. So wird zumindest sichergestellt, dass veröffentlichte Kreationen grundsätzlich lösbar sind.

Im Handheld-Modus funktioniert der Editor über den Touchscreen besonders schnell. Mit einem geeigneten Eingabestift lassen sich Plattformen präziser zeichnen und Objekte einfacher verschieben. Am Fernseher wird dagegen ein Cursor mit dem Controller gesteuert. Das funktioniert zuverlässig, ist bei aufwendigen Umbauten aber langsamer und weniger direkt als die Touchbedienung.

Zwei Personen können lokal gemeinsam an einem Level arbeiten. Die Funktion eignet sich für kleine Experimente, wird bei komplizierten Projekten aber schnell unübersichtlich. Häufig ist es sinnvoller, abwechselnd zu bauen und die Ideen des Partners direkt zu testen.

Ganze Welten statt einzelner Level

Mit einem kostenlosen Update wurde der Welt-Editor ergänzt. Er ermöglicht es, mehrere Level über eine Weltkarte miteinander zu verbinden. Bis zu acht Welten mit insgesamt höchstens 40 Abschnitten lassen sich zu einer sogenannten Super-Welt zusammenstellen.

Auf den Karten können unterschiedliche Wege, Abkürzungsröhren, Dekorationen und Bonusgebäude platziert werden. Die einzelnen Level dürfen dabei verschiedene Grafikstile verwenden. Dadurch lassen sich kleine, zusammenhängende Mario-Spiele mit ansteigendem Schwierigkeitsgrad und optionalen Wegen erstellen.

Der Welt-Editor ist weniger umfangreich als der eigentliche Levelbaukasten. Geheime Ausgänge, komplizierte Kartenereignisse oder frei miteinander verbundene Welten sind nicht möglich. Trotzdem gibt die Funktion den eigenen Kreationen einen deutlich besseren Zusammenhang. Statt nur einzelne Levelcodes zu teilen, kann ein komplettes Abenteuer veröffentlicht werden.

Weitere Updates brachten zusätzliche Bauteile und Verwandlungen. Im Super-Mario-Bros.-Stil verwandelt das Master-Schwert Mario in Link, der unter anderem mit Schwert, Schild, Bogen und Bomben ausgerüstet ist. Später kamen der Froschanzug, der Power-Ballon, der Super-Eichel-Anzug, die Bumerang-Blume sowie die Koopalings hinzu.

Level aus aller Welt

Im Bereich „Level aus aller Welt“ können Kreationen anderer Spieler gesucht, bewertet und heruntergeladen werden. Filter helfen dabei, bestimmte Spielstile, Themen, Schwierigkeitsgrade oder Kategorien wie Rätsel, Musik und automatische Level zu finden. Heruntergeladene Abschnitte lassen sich anschließend auch ohne Internetverbindung spielen.

Die Bandbreite ist enorm. Neben klassischen Mario-Leveln findet man Musikstücke, Quizspiele, automatische Vorführungen, Rennen und extrem anspruchsvolle Kaizo-Herausforderungen. Untersuchungen zu den veröffentlichten Leveln zeigen ebenfalls, wie stark sich Stil, Aufbau und tatsächlicher Schwierigkeitsgrad voneinander unterscheiden können.

Diese Freiheit besitzt eine Kehrseite. Viele Level bestehen lediglich aus zufällig platzierten Gegnern, unsichtbaren Fallen oder endlosen Reihen von Hindernissen. Die Filter- und Bewertungssysteme helfen, können schwächere Kreationen aber nicht vollständig aussortieren.

In der Endlos-Herausforderung werden zufällige Community-Level nacheinander gespielt, bis alle Leben verbraucht sind. Verschiedene Schwierigkeitsstufen sorgen dafür, dass sowohl Einsteiger als auch erfahrene Spieler passende Aufgaben finden. Hinzu kommen Ranglisten und die Ninji-Speedruns, bei denen Nintendo-Level möglichst schnell abgeschlossen werden müssen.

Für das Hochladen, Herunterladen und Spielen der Online-Inhalte ist eine kostenpflichtige Mitgliedschaft bei Nintendo Switch Online erforderlich. Ohne Abonnement bleiben der Editor, gespeicherte Level und der Storymodus erhalten, der wichtigste Strom neuer Inhalte fällt jedoch weg.

Mehrspieler: Großes Chaos mit technischen Grenzen

Lokal können bis zu vier Personen gemeinsam durch erstellte oder heruntergeladene Level laufen. Mario, Luigi, Toad und Toadette besitzen dieselben grundlegenden Fähigkeiten. Da alle Figuren gleichzeitig auf demselben Bildschirm unterwegs sind, entstehen schnell chaotische Situationen. Spieler springen sich gegenseitig auf den Kopf, blockieren Röhren oder tragen wichtige Gegenstände davon.

Online stehen ein kooperativer und ein kompetitiver Modus zur Verfügung. Im Koop reicht es, wenn ein Teilnehmer das Ziel erreicht. Im Gegeneinander gewinnt die erste Figur am Ausgang. Seit einem späteren Update können diese Modi auch in Räumen mit Freunden gespielt werden.

Die Qualität hängt allerdings stark vom ausgewählten Level und den Verbindungen der Teilnehmer ab. Nicht jede Kreation wurde für vier Figuren entworfen. Enge Passagen, Schlüssel oder einmalig verfügbare Fahrzeuge können den Ablauf blockieren. Bei instabilen Onlinepartien verlangsamt sich außerdem das gesamte Spiel und präzise Sprünge werden unnötig schwierig.

Fünf Generationen Mario

Optisch vereint Super Mario Maker 2 mehrere Jahrzehnte der Mario-Geschichte. Die klassischen Pixelstile bleiben ihren Vorlagen treu, während New Super Mario Bros. U und Super Mario 3D World moderne Figuren und Effekte verwenden. Trotz zahlreicher Objekte bleibt das Bild im normalen Spielbetrieb übersichtlich.

Besonders charmant ist die Präsentation des Editors. Bauteile reagieren mit kleinen Geräuschen, Mario läuft während der Musikvorschau über den Bildschirm und viele klassische Melodien wurden für neue Themen erweitert. Koji Kondo war als Sound Director beteiligt, während weitere Stücke von Atsuko Asahi, Toru Minegishi und Sayako Doi stammen.

Technisch läuft das Spiel außerhalb des Online-Modus stabil. Ladezeiten fallen überwiegend kurz aus und der Wechsel zwischen Editor und Testlauf erfolgt beinahe ohne Unterbrechung. Nur bei besonders überladenen Community-Konstruktionen kann die Übersicht leiden.

Praktisch kein richtiges Ende

Der Storymodus bietet mehr als 100 Nintendo-Level und beschäftigt ungefähr zehn Stunden. Danach beginnt der eigentliche Langzeitspaß jedoch erst. Eigene Projekte, Super-Welten, Endlos-Herausforderungen, Speedruns und die Kreationen der Community können den Umfang um Hunderte Stunden erweitern.

Wie viel Zeit man tatsächlich investiert, hängt stark vom eigenen Interesse am Bauen ab. Wer nur Nintendos Kampagne spielen möchte, erhält ein gutes, aber vergleichsweise kompaktes 2D-Mario-Abenteuer. Wer gerne experimentiert, Level verbessert und die Werke anderer ausprobiert, findet dagegen kaum ein Ende.

Fazit

Super Mario Maker 2 ist gleichzeitig Werkzeugkasten, Jump ’n’ Run und weltweite Sammlung verrückter Mario-Ideen. Der umfangreiche Editor ist leicht zu verstehen, bietet aber genügend Möglichkeiten für komplexe Rätsel, klassische Abenteuer und anspruchsvolle Präzisionslevel.

Der Storymodus zeigt viele dieser Möglichkeiten und sorgt dafür, dass auch Spieler ohne kreatives Interesse beschäftigt werden. Seine Auftragsstruktur ersetzt allerdings kein vollständig zusammenhängendes Super-Mario-Abenteuer.

Die größte Stärke ist die Community. Jeden Tag kann ein anderer Level, eine neue Super-Welt oder eine ungewöhnliche Idee entdeckt werden. Gleichzeitig muss man mit schwankender Qualität, unfairen Fallen und gelegentlichen Problemen im Online-Mehrspieler leben. Ohne Nintendo Switch Online verliert das Paket außerdem einen erheblichen Teil seines Reizes.

Wer gerne eigene Ideen umsetzt oder ständig neue 2D-Mario-Level spielen möchte, erhält mit Super Mario Maker 2 einen der umfangreichsten Baukästen auf der Nintendo Switch. Wer dagegen ausschließlich eine klassische Kampagne sucht, ist mit einem regulären Super-Mario-Abenteuer besser beraten.

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